10. Migrationskonferenz Spotlight VI

Strom & Wasser feat. "The Refugees"...

11.04.2014 | ...eröffnete die Konferenz mit einem tollen, mitreißenden Konzert. Ihre Musik ist "ziviler Ungehorsam" in musikalischer Bestform und ein einzigartiges Projekt, das alle von Herzen begeisterte.

  2011 besuchten Heinz Ratz und seine Band Strom & Wasser über 80 deutsche Flüchtlingslager – auf dem Fahrrad. Die Musiker machten das, was leider zu wenige Menschen tun: Hingehen. Klingeln. Nicht nur über sondern direkt mit Flüchtlingen reden - und gemeinsam, sinnvolle Projekte angehen.

Musiker schauen hinter die Kulissen deutscher Asylpolitik...
Dabei lernten Heinz Ratz und seine Combo die Wirklichkeit hiesiger Asylunterkünfte selbst kennen und exzellente Musiker aus aller Welt. Viele Flüchtlinge, die hierzulande Jahre und teils Jahrzehnte in abgelegenen Flüchtlingslagern auf einen Abschluss ihrer Verfahren warten, sind tolle Musiker/-innen. Darunter teils in ihren Heimatländern bekannte und erfolgreiche Künstler, die gerade wegen ihrer Musik flüchten mussten. Doch Ratz traf in den Flüchtlingsheimen leider nicht auf eine positive Willkommenskultur - sondern größtenteils unwürdige Lebensbedingungen.

Von der scheinbar hoffnungslosen Situation der Flüchtlinge entsetzt, entstand die Idee etwas Schönes zu schaffen. Strom und Wasser machte sich auf, "um zusammen mit diesen Musikern, die ganze vergessene Musik aus den Lagern zu befreien und in die Öffentlichkeit zu bringen". Zusammen ging man 2012/ 2013 auf Tour – trotz und wider Residenzpflicht und Arbeitsverbot.


Vorschau

Bilderstrecke: Strom & Wasser featuring "The Refugees"

Tolle Film-Doku: »"You Can't be silent!"
Künstlern ihre Stimme zurückgeben, Solidarität mit den Asylsuchenden und Protest gegen die gängige Flüchtlingspolitik waren der Anlass für diese Tour. Heraus kam tolle Musik mit "Weltformat" (BBC). Dazu eine WDR-Kritik: "Künstler, die in deutschen Flüchtlingslagern leben müssen, spielten eine CD ein, die sich mit Weltproduktionen messen lassen kann!". Ein Sommer dieser besonderen "One-World"-Tour ist in einer sehenswerten Film-Dokumentation festgehalten. Der Film ist derzeit noch in einigen Programmkinos präsent bzw. kann als DVD bestellt werden.

Willkommen in der deutschen Wirklichkeit...
Für einige Protagonisten bedeutete die Konzerttour eine Gratwanderung zwischen zwei Extremen. Abends standen sie auf der Bühne im Rampenlicht, am nächsten Morgen kehrten sie zurück in die Isolation des Flüchtlingsalltags. "Sie sind angekommen und doch noch immer auf der Flucht. Sie sind Sänger, Musiker, Rapper und doch Ausgeschlossene und Abgeschobene. Mit ihrer Musik bringen sie Tausende von Menschen zusammen und sind doch selbst eigentlich nicht berechtigt, den nächst liegenden Bezirk zu betreten". Dazu Heinz Ratz: " Während der ganzen Tour blieb bei uns allen immer die Angst vor Abschiebungen und dass wir nichts dagegen tun können".

Strom und Wasser - sucht sich immer neue Wege
Das Projekt hatte großen Erfolg, wurde aber Ende 2013 nach zwei für alle Beteiligten in jeder Hinsicht strapaziösen Jahren "on tour" abgeschlossen. Der Auftritt vor der 10. Migrationskonferenz gehörte zu einem der letzten Abschiedskonzerte. Dazu Heinz Ratz auf der Homepage der Band: "Wir haben mit diesem Projekt eins sehr deutlich bewiesen: man kann aller menschenverachtenden Gesetzgebung und Politik zum Trotz sehr wohl etwas tun - beruflich, künstlerisch, menschlich - jeder Einzelne! Ich bin der Meinung, dass nun, zumindest in der Flüchtlingspolitik, die ganze Bevölkerung am Zug ist, um diesen angefangenen Weg weiterzugehen, den Solidaritätsgedanken aufzunehmen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten umzusetzen. Was Kunst politisch bewirken kann - das haben wir mit diesem Projekt erreicht. Wir haben vor weit über hunderttausend Zuschauer auf den Konzerten gespielt, wir konnten Millionen über Rundfunk und Fernsehen auf die verzweifelte Situation von Flüchtlingen in Deutschland und Europa aufmerksam machen. Wir haben Menschen, die in der Gesellschaft keine Stimme haben, eine Bühne gegeben. Eine Pflanze, die im trostlosen Abseits wurzelte, die kaum Wachstumschancen hatte - hat es zu einer schönen, farbenprächtigen Blüte geschafft. Mehr ist nicht möglich. Jede Steigerung ist nur in kommerziellen Bahnen denkbar".

Da bleibt sich ein Typ wie Ratz  lieber selber treu und das gilt wohl auch für die komplette Band. Strom und Wasser geht neue Projekte an. In Planung sind beispielsweise: Die Gründung eines eigenen Vereins (Mondpunk. e.V.), das "Island-Projekt" – ein Format das ab Herbst 2014 auf Tournee geht und in dem sich die Band explizit mit dem kulturellen Reichtum und Selbstverständnis Europas befassen will sowie wieder ein neues Flüchtlingsprojekt...

Sommer 2014: Das Flüchtlingsfloß-Projekt (14.07. bis 31.08.2014)
"Unterwegs auf Tour haben wir gemerkt, dass Frauen und ihre Kinder, noch in viel größerem Ausmaß Gewalt und Grausamkeiten ausgesetzt sind. Frauen können nur überleben, wenn sie auf der Flucht unsichtbar bleiben. Sie haben deshalb ein ganz anderes Verhältnis zu Öffentlichkeit. Außerdem war unser Projekt sehr männerlastig. Ich habe das als einen wachsenden Widerspruch gefühlt".

Daraus entstand die Idee zu einer eigenen Aktion, die sich ausschließlich mit "Frauen auf der Flucht" beschäftigt. Gebaut werden diesmal zwei bis drei große Holz-Flöße mit denen sich "Strom & Wasser" über deutshe Flüsse nach Berin aufmachen wird: "In Zusammenarbeit mit Flüchtlingsorganisationen, allen voran PRO ASYL, gehen die Flöße auf Reise. In den Städten entlang der Flussrouten soll ein Rahmenprogramm in Flüchtlingsunterkünften stattfinden: PuppenspielerInnen und Clowns, die tagsüber mit einem Kinderprogramm auftreten. Neben der Floßfahrt liegt der Schwerpunkt abends auf den Konzerten. Sie dienen der Begegnung zwischen deutschem Publikum und Flüchtlingsfrauen sowie der informativ-aufklärenden Zusammenarbeit mit politischen Flüchtlingsgruppen. Auch die Solidarität von Gastmusikerinnen aus ganz Europa mit Musikerinnen aus deutschen Flüchtlingslagern ist ein wichtiger Aspekt dieser Tour".

Spenden und aktive Unterstützung vor Ort – auch aus den Reihen der IG Metall – sind dabei herzlich willkommen! >Hier aktuelle Infos zu den Projekten der Band  

Willkommen zurück: Musikalisches Dankeschön an die Band

Auf unserer Migrationskonferenz überzeugten die Musik, das Projekt und die einzelnen Menschen auf der Bühne: Anrührend, die Zartheit der Lieder von Abschin aus dem Iran, der sechs Jahre in Haft verbrachte und nach Deutschland fliehen musste, nachdem sein Tonstudio abfackelt worden war und er um sein Leben fürchten musste.  Oder Akram, eine großartige Pianistin und Sängerin, die ihren Auftritt vor Publikum an diesem Abend so sehr genießen konnte. Oder Sam, Percussionist und Sänger aus Gambia, der sein Bett im Flüchtlingsheim mit acht erwachsenen Männern in einem Raum ohne Lüftungs- und Rückzugsräume teilen muss. Lieder aus dem Moment geboren, Sehnsucht und Poesie, voller Sound und lebensfrohe Rhythmen mischten sich zu einem wunderbaren Konzert, das durch die eingestreuten Erfahrungsberichte und politischen Statements der Band nur dazu gewann.

Spontan reagierte gegen Ende des Konzertes Kollege Zoran Jovanoy, BMW-Betriebsrat und Metaller aus München. Nach einem dicken Dankeschön im Namen des ehrlich begeisterten Publikums setzte er sich routiniert ans Keyboard und improvisierte gekonnt zusammen mit der Band. Ein sehr persönliches und musikalisches Willkommen an das authentische Projekt und ein Dankeschön der IG Metall für einen wunderbaren Abend. 

DANKE! IHR WARD UND SEID SPITZE!
Und zeigt uns, welche Art des Handels heute gefragt ist.

DA CAPO... UND WEITERHIN VIEL GLÜCK UND ERFOLG.

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