Gedenken

„Wo man Bücher verbrennt, ...

15.05.2013 | ... wird man auch Menschen verbrennen!“ Das befürchtete schon Heinrich Heine. Auch im Bildungszentrum haben wir den aktuellen 80. Gedenktag der Bücherverbrennung 1933 zum Anlass für eine Kulturveranstaltung genommen.
 
Eingeladen war Hajo Jahn (Vorsitzender der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft in Wuppertal und pensionierter WDR-Journalist). Er berichtete in der Abendveranstaltung am 14. Mai im Rahmen unseres Kulturprogramms  anschaulich über die lange Geschichte der Bücherverbrennungen als Mittel der Vernichtung von freien Gedanken und unliebsamen Ideologien. Musikalisch begleitet wurde er dabei von Maik Baschiti, der die gezeigten Fotos mit seinen Trommeln wunderbar „kommentierte“.


Vorschau

Bilderstrecke: BiZ-Abendveranstaltung "Wer Bücher verbrennt, ..." (Fotos: Gabriele Reckhard, BiZ-Bibliothekarin)

Die Bibliothekarin des Bildungszentrums Gabriele Reckhard begrüßte die zahlreichen Gäste und gab eine kurze Einführung in das Thema: So war von der Bücher-Vernichtung im 20. Jahrhundert auch die Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung direkt betroffen. Bereits nach der Machtübernahme Ende Januar 1933 gab es erste Repressalien.

Einige Bespiele:

  • Feb. 1933: Erste Verbote von Gewerkschafts-Zeitungen und -Zeitschriften. Verbote und Verhaftungen von Autoren/-innen.
  • März 1933: Aus über 20 Orten gibt es Meldungen von Überfällen und Besetzungen von Gewerkschaftshäusern. Gewerkschaftsfunktionäre werden von den Nazis ermordet, erste KZs errichtet. In Dresden raubten die NS-Horden fast 20 Tonnen Akten und Bücher aus dem Gewerkschaftshaus.
  • 1. Mai 1933: Findet nicht mehr statt als „Internationaler Kampftag der Arbeiterinnen und Arbeiter“ sondern wird von der NS-Regierung als „Tag der nationalen Arbeit“ proklamiert und so für die eigene Ideologie missbraucht.
  • 2. Mai 1933: Die Gewerkschaftshäuser werden besetzt, Gewerkschafter ermordet oder in sog. „Schutzhaft“ genommen. Die Nazis konfiszieren Eigentum und Vermögen. Schriftgut (Bücher und die Arbeiter-Bibliotheken) werden beschlagnahmt und teilweise verbrannt. So findet z.B. eine Bücherverbrennung vor dem Gewerkschaftshaus in Leipzig statt. Diese Aktionen besiegeln das Ende der freien Gewerkschaften in Deutschland bis 1945. Mehr dazu in unserer »News zum 80. Gedenken am 02.Mai.
  • 10. Mai 1933: Die in zahlreichen deutschen Universitätsstädten durchgeführten Bücherverbrennungen waren im Zuge der Machtergreifung der Höhepunkt der Nazi-Kampagne gegen so genanntes "undeutsches Schrifttum". Die als "wider den undeutschen Geist" bezeichnete Aktion war ein Verbrechen gegen die Freiheit des Wortes und Schicksalstag zum Beginn einer grauenvollen zwölfjährigen faschistischen Diktatur.

Nicht nur Geschichte – auch Gegenwart...
Erste Kommune mit Bücherverbrennungen in NRW war Else Lasker-Schülers Wuppertal am 01. April ’33: Am Brausenwerth in Elberfeld und vor dem Rathaus in Barmen. Diskutiert wurde dabei aber auch der „Link“ zu heute: Verbrennung der „Satanischen Verse“ von Salman Rushdie, von Harry Potter-Büchern, des Korans und der Bibel sowie weltweite Verbote von Internetseiten und Filmen, Zerstörungen von Kunstwerken, Vernichtung von Bibliotheken, Übergriffe von Neonazis auf Journalisten, Medienprojekte und Bildungseinrichtungen...

Bildung in Kooperation
Die Veranstaltung fand statt in Kooperation mit zwei Sprockhöveler Vereinen statt: „LeseZeichen! Förderverein für die Stadtbücherei e.V.“ und „Kunst- und Kulturiniative Sprockhövel e.V.“


PS Kleine Reise-Empfehlung
Interessierten Hauptstadt-Reisenden empfehlen wir unbedingt den Besuch des »Jüdischen Museums in Berlin. In der Sonderausstellung „Bambi und die Relativitätstheorie – Bücher auf den Scheiterhaufen der Nazis...“ wird eine wunderbare Privatsammlung präsentiert.

Der Amerikaner George Warburg, der seine Kindheit in Deutschland verbrachte und mit seinen Eltern rechtzeitig das Land verlassen hatte, begann vor 25 Jahren diese Literatur zusammenzutragen. Seine auf über 400 Bücher angewachsene Sammlung, meist  tolle Erstausgaben, übereignete er großzügig dem Jüdischen Museum Berlin.

Wann:   Mai 2013 – 15. September 2013
Wo:       Libeskind-Bau, Dauerausstellung UG, Rafael Roth Learning Center
Eintritt:  Mit dem Museumsticket (7 Euro, ermäßigt 3,50 Euro)

Lust auf die "verbotenen Bücher" macht eine flott geschriebene »Rezension der Ausstellung  in der TAZ vom 10.05.2013. Übrigens auch jungen und rein literaturinteressierten Menschen...

Gabriele Reckhard

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