Runter mit der Arbeitslast!

Körperliche Belastung bleibt ein zentrales Thema


20.12.2019 | Voller Saal auch in diesem Jahr bei unserer Fachtagung „Update Arbeitsschutz“ vom 18. bis 20. Dezember Aufgrund der gleichbleibend hohen physischen Belastungen stellten wir in diesem Jahr das Thema Ergonomie in den Mittelpunkt der Debatte.

Die Arbeitsbedingungen an den Menschen
anpassen – 
und nicht umgekehrt!

Auch wenn uns die schöne neue Arbeitswelt in ihren Hochglanzprospekten und Werbespots "easy going" verspricht bleibt zu befürchten, dass neben zunehmenden psychischen Belastungen auch die körperliche Belastungen keinesfalls aus der digitalisierten Arbeitswelt verschwinden.

Neue Aufgaben für den betrieblichen Gesundheitsschutz

Fatal: Obwohl die körperlichen Belastungen am Arbeitsplatz weiterhin hoch sind, kommen im Zuge der Digitalisierung sogar neue Belastungen hinzu. Das zeigt auch der Transformationsatlas, den die IG Metall vor Kurzem erstellt hat. Ergebnis: Durch die voranschreitende Transformation, ständig zunehmende Mobilität, massive Arbeitsverdichtung und technische Neuerungen werden die Belastungen zwar anders, aber keinesfalls weniger. Im Gegenteil: 
Gefährdungsbeurteiler*innen stehen vor neuen Herausforderungen.

Dies zeigen nicht nur aktuelle Gesundheitsstudien und die Zahlen zu gesundheitlich bedingten Arbeitsausfällen, sondern vor allem die alltäglichen Erfahrungen in der betrieblichen Praxis. Insbesondere in den Branchen der IG Metall gilt es dabei die körperliche und die seelsche Gesundheit gleichermaßen im Blick zu behalten. Sprich:

"Das Eine tun, ohne das andere zu lassen!"

Die diesjährige Arbeitstagung hatte sich dazu gute Expertise eingeladen. Gemeinsam richteten wir das Augenmerk auf ganz verschiedene und aktuelle Themen:

  • Neue Ergebnisse einer Studie von BAuA und DGUV zur Überarbeitung der Leitmerkmal-Methode beweisen sich als wichtig für die Beurteilung der Ergonomie von Arbeitsplätzen in Produktion und Lager. Ergebnisse und Schlussfolgerungen referierte Prof. Dr.-Ing. habil. André Klußmann; Professor an der HAW Hamburg.

  • Vor noch mangelnden Erfahrungen zum Einsatz von Exoskeletten, derzeitig ein vielgepriesener Marktrenner auf Industriemessen, warnte ein profunder und engagierter Vortrag von Dr. med. Manfred Knye; Volkswagen AG Wolfsburg. Seine Schlüsselfrage: Wie beschäftigt sich betrieblicher Gesundheitsschutz mit technischen Innovationen und zwar "bevor sie einfach über den Zaum gefallen sind", sprich in der Produktion eingeführt werden?

  • Wichtig nach der diesjährigen Europawahl: neue Koalitionen, Initiativen und Richtlinien im Arbeits- und Gesundheitsschutz auf europäischer Ebene. Einen Einblick dazu gab uns Rolf Gehring, Secreatry der European Federation of Building and Woodworkers (EFBWW).

  • Eine zentrale Herausforderung für zukunftsorientierten Gesundheitsschutz: Gestaltungsansätze bei räumlich und zeitlich entgrenzter Arbeit und steigenden Mobilitätsanforderungen. Aus Sicht von Dr. phil. Gerlinde Vogt, die dazu für die Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg mit dem Projekt "Prentimo" forschte, ein sehr ergiebiges Beteiligungsthema für Gewerkschaften – insbesondere mit Blick auf den erfolgreichen Dialog mit eher jungen Kolleg*innen und traditionell eher gewerkschaftfernen Beschäftigtengruppen.

  • Vielversprechend: die derzeit in Vorbereitung befindliche arbeitspolitische Initiative „Runter mit der Last – Reduzierung körperlicher Belastungen im Betrieb“. Eine entsprechende Sonderauswertungen des "DGB Index Gute Arbeit" sowie die Ziele der entsprechenden IGM-Initiative wurden von der Kollegin Dr. Daniela Tieves-Sander aus dem IG Metall Ressort Arbeitsgestaltung und Gesundheitsschutz vorgestellt.

Die jährliche Fachtagung dient dazu, zusammen mit ausgewiesenen Expert*innen und den betrieblichen Gesundheitsschützer*innen einen Beitrag leisten, um die Interessenvertretungen in ihrer Handlungsfähigkeit zu unterstützen.  Wir freuen uns, dass dies aus Sicht der Beteiligten auch in diesem Jahr wieder erfolgreich gelungen ist. Über einzelne inhaltliche Aspekte der Tagung werden wir im neuen Jahr auf der Homepage berichten.

Die vollständigen Tagungsunterlagen und Beiträge sowie weitere Fotos können sich die Teilnehmenden – mit entsprechendem Code – im Januar über unseren geschützten Download-Bereich abrufen.


Vorschau

Bilderstrecke: Update Arbeitsschutz – 6 Fotos

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