Automobilkonferenz im BiZ

Transformation in NRW erfolgreich und gut gestalten

27.07.2018 | In NRW sind rund 200.000 Menschen in der Automobilindustrie beschäftigt, der weit überwiegende Teil davon bei Zulieferern. Es handelt sich also um eine zentrale Branche in NRW.

Nach den diesjährigen Betriebsratswahlen luden Knut Giesler, IG Metall Bezirksleiter in NRW und Fritz Janitz, Schulleiter im IG Metall Bildungszentrum luden im Juli 2018 gemeinsam zu einer Branchenkonferenz nach Sprockhövel ein. Das Thema: Innovationsprozesse und Handlungsmöglichkeiten von Betriebsräten. Unsere Kernfragen:

  • Welche Technologien bieten der Branche arbeitsplatzsichernder Zukunfts-Perspektiven?
  • Was sind Stand und Rahmenbedingungen für erfolgreiche Konzepte von nachhaltiger Mobilität?
  • Wer sind wichtige Innovationstreiber in NRW?
  • Was für Ziele und Projekte verfolgen sie? Und:
  • Welche Rolle spielen dabei Betriebsräte, Vertrauensleute
    und IG Metall?
Gewonnen werden konnten für die eintägige Branchenkonferenz erstklassige Referentinnen und Referenten, die weit über die Grenzen der Branche als Expertinnen und Experten bekannt sind.

Transformationsprozesse & gute Arbeit
Die Branche und wichtige NRW Betriebe
- unter der Lupe

Die Gestaltung von Transformationsprozessen ist eine Herausforderung für die Automobilindustrie. Doch es gibt sie, die vielversprechenden Ansätze - auch und gerade in NRW - und die IG Metall spielt in dieser Diskussion eine durchaus vorantreibende Rolle. Dies bewies sich bereits im einleitenden Statement von Knut Giesler.
Über den Paradigmenwechsel in der Automobilindusrie und die derzeitigen Zukunftstrends referierte anschließend Prof. Dr. Stefan Bratzel; Direktor und Gründer Center of Automotive Management. Gerade mit Blick auf internationale Entwicklungen warnte er davor, die weltweit in Gang befindlichen technologischen Entwicklungen und Trends hierzulande nicht zu verschlafen. Auftrieb erhielt die anschließende Debatte in gut moderierten Workshops bei denen sich die Teilnehmenden über den realen "Transformationsstatus" in den eigenen Unternehmen verständigten.


Vorschau

Bilderstrecke: Eindrücke von der Konferenz

Aachen - Hochburg für e-Mobilität
Doch: "Vorsicht! Keine Rose ohne Dornen!"

Wie sich Marktchancen und Standortkompetenz für Elektromobilität in NRW nutzen und gestalten lassen, berichtete Daniela Jansen; IG Metall Aachen-Düren-Stolberg. Sie ist die zuständige IG Metall Projektsekretärin für e-mobility und erläuterte am Beispiel Aachen anschaulich, wie wichtig das Zusammenwirken von Wissenschaft und Forschung, Unternehmen und den betrieblichen Akteuren der Mitbestimmung, Politik und Standortplanung ist.

Politische Akzeptanz und ganz neue Formen der Kooperation sowie vor allem eine überdurchschnittliches Vorort-Angebot von E-Ladesäulen und alternativen Mobilitätskonzepten (Car-Sharing-Modelle, Mobility-Broker der örtlichen Verkehrsbetriebe, Konzept Velo-City) machen Aachen derzeit zum Zentrum der E-Mobilität für NRW und ganz Deutschland. Gerade bei jungen Leuten findet dabei das neue Angebot vor Ort große Akzeptanz.

Aus Sicht der Kollegin Jansen ebenfalls enscheidend für Richtung und Taktung der künftigen Entwicklung, sind die Themen Fachkräfte-Mangel, Um- und Nachqualifizierung sowie die Kreation ganz neuer Ausbildungsgänge. Auch hier mischt die IG Metall bereits kräftig mit. Doch: "Keine Rose ohne Dornen!" Trotz Enthusiasmus mit dem Kollegin Jansen über die positiven Entwicklungen in Aachen berichtet, legte sie den Finger auch auf die wichtige Schwachstellen und erinnerte zudem daran, dass neben der E-Mobilität auch die Erforschung anderer neuer Antriebsformen auf der Tagesordnung beibt. Zwischenfazit: Es gilt entlang kompletter Wertschöpfungsketten neue Produkte und auch ganz neue Dienstleistungsangebote zu denken – und umzusetzen.

Treiber der E-Mobilität: Nutzfahrzeugbranche und Cityverkehr!

Wie entscheidend dabei die Rolle von innovativen Unternehmen und wachen Betriebsräten ist, wurde in einem betrieblichen Beispiel von Michael Dick, Betriebsratsvorsitzender bei BPW (we think transport) und Haydar Tokmak; IG Metall Gummersbach vorgetragen. Der führende Achsenhersteller BPW beschäftigt derzeit weltweit rund 7.000 Menschen. Um den Anschluss an den Trend zur E-Mobilität nicht zu verpassen, analysierte das Unternehmen sorgfältig die Struktur des stark gewachsenen Konsumgüter-Transfers.

Daraus entwickelte man - offensichtlich durchaus erfolgreich - aus dem derzeit bestehenden Produkt (Achsen) und entsprechendem Know-How (Nutzfahrzeige), eigene und neue e-Lösungen für den regionalen Gütertransfer. Kollege Dick berichtete sehr verständlich darüber, auf welche innerbetrieblichen Stellschrauben zu achten ist um eine entsprechende Entwicklung in Gang zu setzen bzw. zu halten. Und: wie wichtig es ist, die Beschäftigten dabei auch wirklich mitzunehmen. Sein Fazit (frei nach Keynes): "Die Schwierigkeit besteht nicht darin, die neuen Ideen zu finden, sondern darin, die alten loszuwerden".

NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart zu Gast in Sprockhövel

Abgerundet wurde die informative Kongress mit einer Podiumsdiskussion zwischen Prof. Dr. Andreas Pinkwart; Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, Prof. Dr. Stefan Bratzel; Direktor und Gründer Center of Automotive Management, Michael Dick, Betriebsratsvorsitzender bei BPW und IG Metall Bezirksleiter Knut Giesler an der sich auch viele Betriebsräte im Plenum sehr engagiert beteiligten.

 "Transformation der Automobilindustrie in NRW erfolgreich gestalten!" - das ermunternde Fazit von Knut Giesler: "Wir sollten und müssen keine Angst haben! Es geht nicht um den Verlust von Arbeitsplätzen sondern darum, dass andere und zukunftsfähige Arbeitsplätze entstehen. Sich nicht einmischen wäre hier falsch; denn unternehmerische Fehler und Trägheit gefährden nicht nur unsere Arbeitsplätze sondern auch Natur und Umwelt, Lebensqualität und zeitgemäße Mobilität. Dort wo der Arbeitgeber das nicht hinkriegt, müssen sich andere einmischen!"

* Die IG Metall fühlt sich auf diese Herausforderung durchaus vorbereitet.

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