Besser Vorbeugen als Nachsehen

Hans-Jürgen Urban zu Gast auf Konferenz in Sprockhövel


11.07.2018 | Die viel geschätzten Freiheiten des digitalen Zeitalters können unter ungünstigen Rahmenbedingungen leider schnell zum nachhaltigen Gesundheitsrisiko werden. Ganz zu Recht im Fokus der IG Metall-Debatte steht für Dr. Hans-Jürgen Urban, Geschäftsführenden Vorstandsmitglied der IG Metall deshalb das Thema Digitalisierung – auch mit Blick auf zukunftsweisende Präventionsmaßnahmen und den Gesundheitsschutz im Betrieb.

Denn welche Richtung soll die technische Entwicklung nehmen:
  • Rationalisierung oder Humanisierungswelle?
  • Entgrenzung von (Arbeits-)Zeit oder Erleichterungen?
  • Überwachung, Leistungs- und Verhaltenskontrolle?
  • Recht auf Ruhezeiten oder Dauerverfügbarkeit?
  • Nachhaltige neue Produkte oder schlecht entlohnte
    und langweilende Standardarbeit?
  • Vereinsamung hinterm Bildschirm oder andere Formen der Zusammenarbeit, Begegnung und Selbstorganisation?
  • Neue Mobiltät oder Dauerstau und Klimakollaps?
Kollege Urban plädierte diesbezüglich auf der 5. Konferenz für Sicherheitsfachkräfte, Betriebsräte, Betriebs- und Werksärzte in Sprockhövel für eine selbstbewusste Haltung, unsere Neugier und beherzte Einmischung. Denn:

"Transformation heißt Einfluss nehmen -
  oder Einfluss verlieren."

Die 'Gesetze der politischen Physik' ständen uns dabei durchaus zur Seite: "Es braucht nun einmal deutlich weniger Kraft, um die Richtung des Wandels mitzubestimmen als ihn selbst in Gang setzen zu müssen – oder sie gar aufhalten zu wollen".

"Gute Arbeit für alle, muss gesunde Arbeit sein!" 

Zur Behebung der Defizite betrieblicher Präventionspolitik stellte Kollege Urban zudem vier Aufgaben zur Diskussion, die er zugleich auch als konkrete Handlungsaufträge für die IG Metall und zeitgemäße Mitbestimmung im Betrieb versteht:

  • Auftrag 1: Perspektivenwechsel!
    Verhaltensprävention ist das prägende Leitbild der heutigen Präventionskultur. Fitness-Hype und digitale Überwachung dürften das verstärken. Hier geht es um einen Kulturwandel. Nicht "verhaltenspräventive" sondern vor allem "verhältnispräventive" Maßnahmen gehören ins Zentrum überzeugender Präventionslösungen im Betrieb.

  • Auftrag 2: Handeln!
    Die zahlreichen "Schutzlücken" bei den psychischen Belastungen zu Lasten der Gesundheit von Beschäftigten müssen endlich durch eine moderne "Anti-Stress-Verordnung" geschlossen werden. 

  • Auftrag 3: Nachschärfen!
    Umsetzungsdefizite bei den Gefährdungsbeurteilungen müssen beseitigt werden. Zusätzlich gefragt: die methodische Weiterentwicklung hin zu einer prospektiven, also vorausschauenden Gefährdungsbeurteilung. Sprich: Bei der gesundheitichen Bewertung von Arbeitsplätzen sollten neben dem Ist-Zustand auch anstehende Veränderungen des Arbeitsplatzes betrachtet werden.

  • Auftrag 4: Neue Allianzen!
    Präventionspolitik braucht neue Allianzen. Dabei gilt es das gesellschaftliche Thema Gesundheit zum betrieblichen Thema zu machen. Aus oft nebeneinander agierenden Einzelakteuren lassen sich durch gute Initiativen von Betriebsräten und Vertrauensleuten starke "Präventions-Allianzen" bilden.

Unverzichtbar: eine beteiligungsorientierte, zielgruppengenaue und bedarfsgerechte Herstellung von Betriebsöffentlichkeit, ganzheitliche Konzepte und neue Kooperationsangebote seitens aktiver Betriebsräte und Gewerkschafter*innen, die sich als ideenreiche Innovationstreiber in Sachen Arbeitsgesundheit verstehen. Dazu gilt es, viele neue Akteure ins Boot zu holen und auch die Belange sogenannter Randbelegschaften (Stichwort: Leiharbeit, Werkverträge) zu berücksichtigen. 


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