Cradle-to-Cradle & IG Metall

Einfach intelligent produzieren?

02.11.2012 | Eine Welt ohne Müll? Fabriken, deren „Abwässer“ Trinkwasser-Qualität haben? Teppiche, die Raumluft reinigen? Geräte, die an den Händler zurückgegeben werden und neue Waren werden? Innovative und bezahlbare Produkte, mit denen Unternehmen, neue Märkte erschließen können? Dinge wegwerfen, ohne schlechtes Gewissen? „Das ist alles möglich und wird jetzt und hier gemacht!“ sagt Michael Braungart, Professor für Verfahrenstechnik und ehemaliger Greenpeace – Aktivist.

 
Arbeit wieder Wert geben
„Damit kann man Arbeit wieder Wert geben!“, begeistert sich Heinz Pfeffer, erster Bevollmächtigter der IG Metall in Rheine. Er reiste selbst zusammen mit seinen beiden Söhnen, Adrian (14) und Mathias (16)zu der Tagesveranstaltung in Sprockhövel an. Mathias hatte für die Schule ein Referat über „CradletoCradle“ verfasst und wollte Prof. Baumgart mal direkt erleben. Sein Fazit: „Den Unterschied zwischen mehr (Ressourcen-)Effizienz und effektivem Wirtschaften zu begreifen, ist am Anfang nicht so leicht. Hat man es aber einmal kapiert, ist das Ganze echt cool und ermöglicht faszinierende Ideen“.

Einfach intelligent produzieren?
Das ist Michael Braungarts Vision für ein anderes Wirtschaften und ökologisches Produktdesign. Seit mehr als 25 Jahren arbeitet er international erfolgreich an praktischen Umsetzungen. So entstanden eine ganze Produktpalette sowie ein mittlerweile engmaschiges Aktiven-Netzwerk.

Das Konzept
Sein Konzept nennt er„CradletoCradle“ (deutsch von Wiege zu Wiege) – kurz C2C. Der etwas sperrige Name ist Programm: Es gilt, den Lebenszyklus eines Produkts nicht vom Ende her (Müllentsorgung) zu denken sondern am Anfang, bei der Produktion. Wie das geht (auch unter Kostendruck),erläutert er mit anschaulichen Beispielen. Christiane Benner, Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand der IG Metall pflichtet der Grundidee sichtlich begeistert zu. Für sie ist C2C eine praxisnahe Zukunftsstrategie. Und ein gutes Tool zur Umsetzung von „Besser statt billiger“–Konzepten der IG Metall:„Ich will Cradle-to-Cradle“ nicht privat als Verbraucherin im Ökohaus diskutieren sondern zusammen mit unseren Betriebsräten aktiv in die Betriebe bringen. Wir haben als IG Metaller/-innen, das Know-How, viele kluge Köpfe an Bord und vor allem die soziale Phantasie, um dabei markttaugliche Produkte und Innovationen anzustoßen“. Mehr dazu erfuhren die Teilnehmenden in der gemeinsamen Diskussion und den anschließenden Workshops.

Weniger schlecht ist noch lange nicht gut.
Seinen C2C-Ansatz versteht Braungart als einen Gegenentwurf zur Produktion ohne Rücksicht auf Umwelt und natürlichen Ressourcen (from cradle to grave). Dabei geht er weiter als klassische Ansätze im Umweltschutz oder Recycling: „C2C ist aus meiner Sicht ein Entwicklungskonzept für die nächste industrielle Revolution. Schon rein betriebswirtschaftlich gedacht, kommt man von ganz alleine drauf: Bei natürlich begrenzten Ressourcen und teuren Rohstoffen, gilt es Werkstoffkreisläufe komplett neu zu denken und zu organisieren“. Dabei setzt er, anders als der Ansatz Nachhaltigkeit, nicht auf Sparsamkeit und Verzicht, Effizienz und Schadstoffreduktion sondern auf eine neue Wirtschaftsweise. Sein Credo: „Denken sie nicht länger nur darüber nach, wie man das Schlechte optimiert. Es ist viel spannender herauszufinden, wie man das Richtige effektiv macht!“ Für die Welt und eine zukunftstaugliche Industrieproduktion ist das nach seiner Ansicht die Überlebensfrage: „Es gilt die Dinge hier und jetzt zu ändern. Wir sind die Entscheider-Generationen!“  sagt Prof. Braungart in dem » kurzen SWR-Film.

Gemeinsam aktiv werden.
Lernen für die Zukunft. Im Forum politische Bildung „Zukunftsfähig Wirtschaften –Umweltschutz und Betriebsratshandeln“ stellte sich der rührige Chemiker gerne den Anregungen und kritischen Fragen aus dem Betriebsalltag von Metallern/Innen! Denn die Veranstaltung ist Teil einer Kooperation zwischen IG Metall und der EPEA Umweltforschung, die in 2013 mit einer spannenden Seminarreihe fortgesetzt und konkretisiert wird. Drei Seminar-Termine (siehe Anlage pdf) können dabei – auch einzeln – gebucht werden um das Ganze kennen zu lernen und selbst praktisch aktiv zu werden:

Zielgruppen:
Ingenieure, technische Expert/-innen, Studierende und Betriebsräte sowie andere Interessiertenach Absprache.

Ziel:
Das Bekanntmachen mit dem C2C-Ansatz (am 29. Januar in Lohr und am 27./28. Februar (im Bildungszentrum Berlin) sowie die Erarbeitung konkreter >Roadmaps< für die eigene betriebliche Umsetzung (dazu dient das Seminar vom 14. bis 17. Juli 2013 in Sprockhövel).

Rückfragen / Infos / Kontakt in Sprockhövel:
Petra.Wolfram@igmetall.de  und Roswitha.Schneider@igmetall.de sowie Schulleiter Fritz.Janitz@igmetall.de

Mehr Infos zum Thema?
Geplant vom zuständigen Funktionsbereich Zielgruppenarbeit und Gleichstellungspolitik ist für das Frühjahr übrigens auch eine eigene Unterseite zum Thema „cradle-to-cradle“ im IG Metall Internet. Ansprechpartnerin zu Medien und Materialien des Vorstands: Gabriele.Hanke@igmetall.de

Bis dahin finden sich wertvolle Infos (in deutsch und englisch), Medien/Filme sowie weiterführende Links auf der Seite von EPEA und/oder via Google oder Youtube.  Den Flyer zur Seminarreihe findet Ihr »hier als PDF zum Download.

MG


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