Arbeits- und Gesundheitsschutz

Einblick in die Fachtagung »Update Arbeitsrecht«

20.12.2017 | Zum dritten Mal fand die inzwischen schon traditionelle Fachtagung des Handlungsfeldes Arbeits- und Gesundheitsschutzes im Bildungszentrum Sprockhövel statt. Rund 80 Kolleginnen und Kollegen nutzen am 14./15. Dezember 2017 die Möglichkeit, sich unter dem Titel „Update Arbeitsschutz" inhaltlich weiterzubilden, auszutauschen und weiter zu vernetzen.

Hochkarätige Expert*innen –
Grundlage für einen inhaltlich hochwertiger Rahmen

Zu Beginn des ersten Tages referierte Dr. Ulrich Faber über die Verantwortung des Arbeitgebers und den gesetzlichen Auftrag des Betriebsrats im Arbeitsschutz und bei der Gefährdungsbeurteilung sowie Dipl. Ing. Bruno Reddehase über die Gefährdungsbeurteilung bei psychischen Belastungen aus Sicht einer Aufsichtsbehörde. Zum Tagesabschluss referierte Heinz Fritsche zur arbeitsmedizinischen Vorsorge: Branchenregel Stahl, Eignungsuntersuchungen und die Haltung der Akteure im Feld. Der rege Austausch der Teilnehmenden wurde abends in geselliger Runde und persönlichen Gesprächen fortgesetzt. Zusätzlich lud der Wellnessbereich des Hauses die Teilnehmenden ein, dem nasskalten Schneetreiben zu entfliehen und den Tag in ruhiger Atmosphäre zu reflektieren.

Der Folgetag stand thematisch im Fokus der alterns- und altersgerechten Arbeitsgestaltung und wurde von Ina Mühlenbrock mit einem Vortrag zu Herausforderungen der Digitalisierung für die alters- und alternsgerechte Arbeitsgestaltung in Produktion und Verwaltung eröffnet. Anschließend folgte Dipl. Ing. Andrea Lange mit ihrem Referat zu alternsgerechte und altersgerechte Arbeitsgestaltung am Beispiel des Projektes „Textil fit". Abgerundet wurde dieser inhaltliche Block von Dr. Jürgen Klippert, der sich in seinen Ausführungen mit Herausforderungen für die demografie-orientierte Gestaltung der Arbeit am Beispiel von Fließbandarbeit und auswärtigen Tätigkeiten in Service und Montage beschäftigte.

Eine abschließende Podiumsdiskussion – unter intensiver Einbindung aller Teilnehmenden – rundete die Tagung sinnvoll ab und stellte interessante Anknüpfungspunkte zum betrieblichen Alltag her.

Expertise, Erfahrungs- und Praxiswissen –
aus ganz verschiedenen Fachbereichen

Dr. Ulrich Faber, Rechtsanwalt für Arbeitnehmerfragen aus Bochum sprach in seinem Vortrag über die im betrieblichen Arbeitsschutz beteiligten Akteure und Zusammenhänge und betonte dabei insbesondere die Pflichten des Arbeitgebers. Auch die im Arbeitsschutzgesetz benannte Mitwirkungspflicht der Beschäftigten ist als eine Verpflichtung für den Arbeitgeber zu verstehen: So hat dieser die Mitwirkungsmöglichkeiten zu schaffen und die aktive Beteiligung der Beschäftigten zu organisieren. Für konkrete Mitbestimmungsmöglichkeiten der betrieblichen Interessensvertretung legte Herr Faber in seinem Beitrag einen starken Fokus auf die Regelung des § 87 Abs. 1 Ziff. 7 BetrVG und untermauerte dies mit vielfältigen Gerichtsurteilen.

Dipl. Ing. Bruno Reddehase, Arbeits- und Organisationspsychologe sowie Technischer Aufsichtsbeamter des staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes Hannover legte seinen Fokus auf psychische Belastungen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung und das Handeln der staatlichen Aufsichtsbehörden. Auch wenn dieses Handlungsfeld in den Betrieben leider noch sehr wenig erschlossen ist, fragen die Behörden inzwischen häufiger konkret nach der Berücksichtigung psychischer Belastungen in der Gefährdungsbeurteilung.
Sehr anschaulich beschrieb und widerlegte Reddehase fünf beliebte Mythen, die häufig als Gründe angeführt werden, warum psychische Belastungen bisher nicht ermittelt wurden. Betriebsräte sind hier, bedingt durch die personelle Unterbesetzung der Behörden, die treibende Kraft, um das Thema in den Betrieben anzupacken.

Heinz Fritsche, politischer Sekretär im Ressort Arbeitsgestaltung und Gesundheitsschutz beim IG Metall Vorstand machte am Beispiel der verabschiedeten Branchenregel Stahl den Grundgedanke des Gesetzgebers deutlich und präsentierte eine Regelformulierung, die so auch in anderen Branchenregeln Einzug finden wird. Anhand vieler konkreter Beispiele wurde skizziert, dass betrieblich veranlasste Untersuchungen häufig nicht erforderlich sind. Grundsätzlich ist stets das mildeste Mittel zu wählen, wenn Arbeitgeber die Befähigung ihrer Mitarbeiter überprüfen müssen. Sehr häufig ist dies mit anderen Methoden als ärztlichen Untersuchungen wesentlich einfacher – und oft auch zielführender – zu erreichen. Zur Durchführung von Eignungsuntersuchungen wurden in der Branchenregel (DGUV-Information 109-601) drei hohe Hürden konkret und verbindlich festgeschrieben.

Inga Mühlenbrock von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) stand die Digitalisierung unter dem Schlagwort „Industrie 4.0" in Verbindung mit der alter(n)sgerechten Arbeitsgestaltung im Fokus der Betrachtung. Hierbei ging es um künftige Anforderungen an die Kompetenzen der Beschäftigten, die sich insbesondere in zunehmender Bereitschaft zu lebenslangem Lernen und einem stärken interdisziplinärem Denken und Handeln ausdrücken. Qualifikationen für eine höhere IT-Kompetenz werden unumgänglich sein. Die steigende Ambivalenz der Entwicklung zwischen Arbeitserleichterung und zusätzlicher Belastung ist besonders aus der Perspektive altersgerechter Hilfe kritisch zu begleiten.

Andrea Lange, vom Berufsforschungs- und Beratungsinstitut für interdisziplinäre Technikgestaltung e.V. (BIT e.V.) skizzierte anhand des Projektes „Textil fit", das bundesweit in 11 Industrietextilunternehmen mit insgesamt 125 verschiedenen Arbeitsplatztypen durchgeführt wurde, konkrete Ansätze zur Verbesserung der ergonomischen Arbeitsbedingungen. Hierzu stellte sie im Rahmen der Belastungserhebung die ganzheitliche Gefährdungsbeurteilung als das zentrale Element heraus. Verbesserungen der Arbeitsbedingungen müssen dabei nicht immer mit hohen Investitionskosten einhergehen.
Hierbei sollte auch die Demografische Entwicklung eine Rolle spielen. Denn in den nächsten fünf bis sieben Jahren werden ca. 20% der Beschäftigten in Rente gehen. Daher empfahl sie eine zukunftsorientierte Personalbemessung bzw. Qualifikationsmatrix (Altersstruktur-/Qualifikationsbedarfsanalyse, Gefährdungen und Belastungen) durchzuführen.

Dr. Jürgen Klippert, politischer Sekretär im Ressort Zukunft der Arbeit beim IG Metall Vorstand berichtete in seinem Vortrag über die gewonnenen Erkenntnisse zur Gestaltung alter(n)sgerechter Arbeitsplätze, die in einem Landwirtschaftsmaschinen- und einem Aufzug- und Fahrtreppenbetrieb ermittelt worden sind. Zudem berichtete er über die „mobile Arbeit" von Montagearbeiter*innen im Service. Neben der Lernförderlichkeit als zentrale Zukunftsaufgabe standen die „klassischen" physischen und psychischen Belastungen als Handlungsfelder. Zur Erhebung und Umsetzung der arbeitsplatzbezogenen Belastungen stellte Klippert ein 5-phasiges Vorgehen vor, das sich in den analysierten Betrieben bewährt hat.

Der „Up-Date" Arbeits- und Gesundheitsschutz –
eine Terminempfehlung auch für 2018

Auch im kommenden Jahr wird wieder eine Fachtagung des Handlungsfeldes Arbeits- und Gesundheitsschutzes angeboten, die vom 17. bis 18. Dezember 2018 stattfinden wird. Wir freuen uns bereits jetzt schon sehr, auch dann viele Kolleginnen und Kollegen wieder oder zum ersten Mal begrüßen zu dürfen. Anmeldungen hierfür können bereits bei der örtlichen Geschäftsstelle der IG Metall erfolgen.

Oliver Winkler


Aktuelles

Kampagnen

  •