»Industrie im Wandel - Bildungsarbeit in Bewegung«

Unser Tipp: Lesen. Leute, Lesen!


08.02.2019 | Buch-Tipps geben wir an dieser Stelle selten, doch hier lohnt es. Empfehlen möchten – auch wir – das neu erschienene Praxishandbuch "Industrie im Wandel - Bildungsarbeit in Bewegung" herausgegeben von Irene Schulz.

Auf fast 400 Seiten bündelt das Werk eine Vielzahl guter Beispiele und Beiträge, dazu wie unsere IG Metall Bildungsarbeit "tickt" und sich - für die Praxis wirksam - auf "moderne Zeiten" einstellt. Das facettenreiche Buch ist zugleich eine Einladung, gerade neue und experimentierfreudige Bildungsformate unserer Arbeit näher kennenzulernen.

Alle, die sich ernsthaft dafür interessieren, 

  • welche tiefgreifenden politischen und technischen Umbrüche die Transformation für uns alle bringt, 

  • wie wir digitale Arbeit sicherer, selbstbestimmter und gerechter machen können,

  • wie wir "Industrie 4.0 gestalten", Mitbestimmung stärken und Tarifbindung ausbauen,

  • wie sich Arbeitnehmer*innen beruflich auf ihre Zukunft vorbereiten und weiterbilden,

  • wie sich betriebliche und gesellschaftspolitische Herausforderungen mit sozialer Phantasie meistern lassen, auch im Rahmen globaler Märkte und internationaler Zusammenarbeit

  • was Betriebsräte und Gewerkschaften neu, besser und anders machen können, was sie dabei stärkt und unterstützt – und vor allem

  • wie sich unsere IG Metall Bildungsarbeit dazu - konzeptionell wie organisatorisch - aufstellt,

 sollten jetzt (!) zu diesem Praxis-Handbuch greifen.

Dazu Herausgeberin Irene Schulz, Geschäftsführendes Mitglied des Vorstandes der IG Metall: "Unsere betriebliche und politische Bildungsarbeit ist in Zeiten der digitalen Transformation und zunehmend autoritär agierender Politik wichtiger denn je. Gleichzeitig haben die Internationalisierung, der technologische Wandel und die damit einhergehende Flexibilisierung der Arbeitsbeziehungen die gewerkschaftliche Interessensvertretung und gelingende Betriebspolitik sehr viel anspruchsvoller und komplexer gemacht." 

Aus ihrer Sicht ist die IG Metall gut aufgestellt: Wie das facettenreiche Praxisbuch zeigt, reagiert gerade die gewerkschaftliche Bildungsarbeit auf die beschriebenen Veränderungen mit Innovativen Konzepten:

  • aufgegriffen werden neu entstandene Themen,
  • angewendet werden nachhaltige Lernmethoden und
  • die Bildungsarbeit scheut sich auch nicht, wichtige Fragen zur eigenen Weiterentwicklung zu stellen.

Bildung im Wandel
Aus dem Umbruch gelingende Aufbrüche machen

Dies verlangt Politisierung und Handlungskompetenz, Mitbestimmung und Beteiligung, Orientierung durch Werte, (Fach-)Wissen und Persönlichkeitsentwicklung zugleich:

Fast 70 Autorinnen, Autoren und Interviewpartner*innen steuern dazu in dem neu vorliegenden Sammelband ihre Erfahrungen und ihr Wissen bei. Leiter*innen von Bildungszentren und Bildungsreferent*innen, ebenso wie freiberufliche Coaches, Mediator*innen und Organisationsberater, Expert*innen für Digitalisierung, Betriebsräte und Vertrauensleute aus mittleren Unternehmen und aus Konzernen wie Ford, Daimler, BMW, John Deere, und Siemens, Bevollmächtigte der IG Metall und engagierte Wissenschaftler*innen.

Die Themen sind spannend, die einzelnen Beiträge kurz und prägnant verfasst: so nah dran am betrieblichen Alltag wie die Autor*innen es mit ihrer konkreten Tagesarbeit und Expertise sind.

Bildung in der IG Metall
Auch Sprockhövel leistete einige Beiträge zu dem Buchprojekt:

  • Unter der Überschrift "Solidarität und Gestaltungsanspruch - über die notwendige Differenzierung der Jugendbildung!" fungiert Jasmin Maschke, als Co-Autorin in einem Beitrag zu Anspruch, Selbstverständnis und Werten zeitgemäßer Jugendbildungsarbeit.

  • Jochen Hofmann lädt – im Autorenteam mit Jens Beckmann und Tom Kehrbaum – dazu ein, den Ausbildungsgang "Internationales Projektmanagment" kennenzulernen. Das innovative Angebot beweist, wie nachhaltig sich Personalentwicklung, Persönlichkeitbildung und globale Vernetzung von Gewerkschaftsarbeit  verbinden lässt. Hier entsteht zukunftsfähige Zusammenarbeit durch Transnationale Bildungsarbeit.

  • Fritz Janitz hat zwei Themen bearbeitet: Gemeinsam mit seinem Kollegen Gerd Hof werden zentrale Anforderungen, Profile und Perspektiven unserer IG Metall Bildungszentren skizziert: nicht ohne deren wertvolle Alleinstellungsmerkmale und Potenziale herauszuarbeiten, auch und gerade im Vergleich mit kommerziellen Bildungsanbietern. Überschrieben mit der Ermunterung "Mehr Betriebspolitik wagen!" ziehen Fritz Janitz und Jochen Schroth zudem Zwischenbilanz zum Mehrwert der Projekte "Arbeit und Innovation". Ihr gemeinsames Zwischenfazit: Hier entstehen - mit Blick auf die konzeptionelle Weiterentwicklung gewerkschaftlicher Betriebspolitik und die Bildungsarbeit - gerade wertvolle Impulse und ganz neue Schnittstellen.

  • Sepp Hofstetter macht in einem Kapitel anschaulich, welche Bedeutung - auch aus Sicht der Arbeit unserer IG Metall Geschäftsstellen und Bezirke - die eigens neukonzipierten und betriebsnahen Bildungsangebote für die sogennannte Erschließungsarbeit der IG Metall und Betriebsratsneugründungen haben.

  • Rolf Kulas verschafft einen Einblick, in Sinn und Wert von Teamentwicklungsmaßnahmenund die Praxisbegleitung von Betriebsratsgremien, die dadurch besser zu einer effizienten und reibungslosen Zusammenarbeit finden wollen.

Alle Texte und Interviews des Praxis-Handbuchs durchzieht eine immer wiederkehrende Frage: Worin besteht für die Beschäftigten das Leitbild der guten digitalen Arbeit 4.0? Und wie kann es im Betrieb durchgesetzt werden? Dazu Herausgeberin Irene Schulz : "Nur wenn wir die neuen Techniken so einführen und einsetzen, dass sie den Interessen der Beschäftigten und denen unserer demokratischen Gesellschaft entsprechen, kann aus dieser Transformation auch Fortschritt entstehen."

Mit einem gehaltvollen und perspektivenreichen Buch liefern die Bildungsarbeiter*innen der IG Metall dazu eine Fülle an Informationen, Analysen und Deutungen.

Irene Schulz (Hrsg.) "Industrie im Wandel - Bildungsarbeit in Bewegung", ein Praxishandbuch, Bund-Verlag, Frankfurt, 2019, 383 Seiten, 39,90 Euro

Mehr Praxis geht nicht: Der Bundverlag gewährt in seiner Rezension übrigens eine handlingsfreundliche Leseprobe, die den direkten Einblick in das Inhaltsverzeichnis sowie das Vorwort von Irene Schulz erlaubt.

Ein guter Überblick zu Themen, Thesen und Vielzahl der an diesem Buchprojekt beteiligten Autor*innen.

MaGro


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