Interview

»Die Beschäftigten arbeiten am Limit«


13.12.2019 | Vorweihnachtsstress ist das eine. Permanenter Dauer-Stress ein ganz anderes Thema. Daniela Tieves-Sander arbeitet für die IG Metall im Ressort Arbeitsgestaltung und Gesundheitsschutz. In der heute frisch erschienen Ausgabe von IG Metall direkt, mit Analysen, Berichte, Grafiken zu den Themen Arbeit, Wirtschaft und Soziales informiert sie im Interview zu einer aktuellen Umfrage des DGB-Index Gute Arbeit. Lesenswert!

Die Befragung zeigt, dass Stress und Zeitdruck für viele Beschäftigte in Deutschland zum Alltag gehören.

Daniela Tieves-Sander: Die Zahlen zeigen das ganz klar: Mehr als die Hälfte der Befragten, nämlich 53 Prozent, fühlen sich während ihrer Arbeit sehr häufig oder oft gehetzt oder unter Zeitdruck. Jeder Dritte musste, verglichen mit dem Vorjahr, deutlich mehr Arbeit bewältigen, ohne jedoch mehr Zeit zur Verfügung zu haben.

Schwerpunkt des diesjährigen Reports ist das Thema Arbeitsintensität. Was ist darunter zu verstehen?

Tieves-Sander: Wie belastend die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten sind, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu zählen Arbeitsmenge, Arbeitsdauer und
die Qualität der Tätigkeit. Gerät das Verhältnis zwischen ihnen in Schieflage, steigt die Arbeitsintensität und damit die Belastung für die Beschäftigten.

Welche Folgen hat eine zu hohe Arbeitsintensität?

Tieves-Sander: Die Beschäftigten zahlen die Rechnung für zu hohe Arbeitsintensität. Wer seine Arbeitsmenge nicht in der vorgegebenen Zeit schafft, verkürzt etwa häufiger Pausen oder lässt diese ganz ausfallen. Außerdem fühlen sich die Betroffenen in ihrer Freizeit häufiger ausgebrannt und geben seltener einen guten Gesundheitszustand an.

Hohe Belastungen führen zu gesundheitlichen Risiken?

Tieves-Sander: Eine dauerhaft hohe Arbeitsintensität führt zu Stress - und der wirkt sich negativ auf die Gesundheit der Beschäftigten aus. Wissenschaftlich ist
längst bewiesen, dass bei dauerhaftem Stress das Risiko für Burnout oder psychische Erkrankungen steigt. Aber auch Rücken- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen können die Folge sein.

Was können Betriebsräte tun?

Tieves-Sander: Arbeitsintensität gehört zu den psychischen Belastungen, die im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung erhoben werden müssen. Dabei hat der Betriebsrat umfassende Mitbestimmungsrechte. Hier liegt mit dem Stressbarometer der IG Metall ein Instrument vor, das die Betriebsräte dabei unterstützt.

Umfassende Informationen gibt es hier: www.stressbarometer-igmetall.de
Und >> hier mehr zum Report "Arbeit am Limit"


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