Jugendbildungskongress 2018 (03)

Ausbildung 4.0: »Wir sind da ausgeschlafen ...«

19.04.2018 | Für Adrian Hermes, IG Metall Vorstandsverwaltung / Ressort Junge IG Metall ist völlig klar, dass sich technische Innovationen in der Arbeitswelt 4.0 nicht ausbremsen lassen, sondern Einmischung, klare Interessenspolitik und neue Beteiligungsformen für Beschäftigte erfordern. „Wir als IG Metall wollen den digitalen Wandel aktiv gestalten und auf neue Beschäftigtengruppen zugehen", so sein selbstbewusstes Plädoyer anlässlich des Jugendbildungskongresses in Sprockhövel.

„Industrie 4.0 – Revolution oder Rationalisierung?“

Negative Prognosen über das Tempo der technischen Entwicklung sowie das „Substitutionspotential“ (Ersatz menschlicher Arbeit durch technologischer Innovationen) schrecken Adrian Hermes nicht. Denn, wie sich das in der Realität verhält, ist für ihn lange keine ausgemachte Sache. Gefahren und Risiken der Digitalisierung wird die IG Metall Jugend deshalb zwar fest in den Blick nehmen, vor allem aber will sie mögliche Chancen erkunden. Dazu Hermes: „Technologien können schließlich auch ganz neue Branchen und Berufe schaffen, Arbeit humaner und Arbeitsorganisation selbstbestimmter machen, Kommunikation erleichtern und Gesellschaft demokratischer machen. Allerdings, dazu müssen die Rahmenbedingungen stimmen!" Sein Credo: Es gilt neue gewerkschaftliche Werte, Strategien und Leitbilder zu formulieren, betriebliche und gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse richtig auszuloten. Strukturen, Berufsbilder, Aus- und Weiterbildungspläne zeitgemäß zu überarbeiten und anzupassen. Menschen brauchen Gelegenheit und Zeit, um sich rechtzeitig und dauerhaft zu qualifizieren. Und: sie müssen sich diese Aus- und Weiterbildung leisten können. 

Arbeit und Ausbildung 4.0 –
nicht machbar ohne die ernsthafte Positionierung

Hier will die IG Metall Jugend verstärkt in die Offensive kommen und organisiert deshalb derzeit eine eigene und bundesweite Debatte. Den Orts- und Jugendausschüssen wird über eine Online-Abfrage dabei die Möglichkeit gegeben, die eigenen Positionen und Bewertungen in die Diskussion einfließen zu lassen. Basis der systematisch organisierten Diskussion ist ein lesenswertes (!) und knackiges Diskussionspapier der IG Metall Jugend unter dem Titel „Arbeit und Ausbildung 4.0“.  

Orientierung. Positionierung. Handlungsfähigkeit.
Insgesamt geht es um eine klare Ausrichtung der eigenen Ziele und Strategien als IG Metall-Jugend, den Dialog auch mit neuen Beschäftigtengruppen, die Stärkung von Gewerkschaften und Interessensvertretungen im Betrieb.

Ausbildung und Arbeitswelt 4.0:
„Als IG Metall Jugend die richtigen Fragen stellen ...“

Dafür argumentiert das Papier mit Blick auf sechs zentrale Spannungsfelder. Zu jedem Komplex werden jeweils zentrale Thesen, Praxis-Beispiele, mögliche Schlussfolgerungen und offene Fragen formuliert. Im Kern geht es dabei um folgende Themen:

  • Chancengerechtigkeit und Solidarität
  • Anpassung von Rechtslagen
  • persönliche Datensicherheit
  • Ausbau von Mitbestimmung 4.0
  • Qualität von Ausbildung und Arbeit
  • endlich eine Bildungsoffensive!

Industrie 4.0 und Digitalisierung –
die  „Blockbuster des Wandels“

"Die Frage ist, was sind die Treiber des Wandels und wie nehmen wir als Beschäftigte und Menschen darauf Einfluss?", so Adrian Hermes.  Das Diskussionspapier der IG Metall-Jugend - angereichert über die Diskussionen der örtlichen Jugendausschüsse – will die eigene Positionsfindung vorantreiben. Aus dem Vorwort:

  • Was wird aus dem Menschen und welche Rolle spielen wir als Beschäftigte?
  • Welche Auswirkungen wird die Entwicklung auf die Arbeitszeit und die Arbeitsorganisation haben?
  • Was bedeuten die neuen Entwicklungen für die bestehenden Bildungs- und Ausbildungssysteme?
  • Welche Herausforderungen ergeben sich für bestehende Entgeltsysteme?
  • Wie muss Mitbestimmung auf Betriebs- und Unternehmensebene weiterentwickelt werden?

In welche Richtung es gehen könnte?

  • Eine ganzheitliche Ausbildung ohne Bestenauslese,
  • Faire Vergütung und Entlohnung,
  • Mehr selbstbestimmte und mobile Formen der Arbeit und des Lernens.

„Arbeit und Ausbildung 4.0 –
dazu brauchen wir eine eigene Vision!“

Dass sich die IG Metall – und hier gerade die Jungen – in diesen Fragen auf den Weg gemacht haben, steht für Adrian Hermes außer Frage: „Es gilt die Chancen und Risiken der Arbeitswelt 4.0 zu kennen und zu bewerten, ohne als die Betonköpfe und die ewigen Verhinderer zu gelten. An der Schnittstelle von Mensch und Maschine gilt es viele neue Wege zu erproben und gute Mitstreiter*innen zu gewinnen. Die gewerkschaftliche (Jugend-)Bildungsarbeit kann uns dabei kräftig den Rücken stärken.“ Dieses Ziel unterstützt Benjamin Pfalz, IG Metall Vorstandsverwaltung, FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit in seinen Abschlussworten zur Jugendbildungskonferenz:

„Macht das Thema Arbeitswelt 4.0 in den Seminaren weiter auf: es gilt Formate, Inhalte und Methoden zu entwickeln, sie sich zu eigen zu machen und untereinander zu teilen. Lasst uns: Experimentieren! Ausprobieren! Kooperieren! Der Jugendbildungskongress 2018 bot dazu wunderbare Impulse. Danke an alle Beteiligten!"

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Mehr zum Jugendbildungskonferenz 2018 lesen:
>Hier geht's zu Teil 1 (Ablauf und Überblick)
>Hier geht's zu Teil 2 (Rede Irene Schulz)



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