Liebe verdient Respekt!

10. März - 25 Jahre Abschaffung § 175


10.03.2019 | Noch vor 25 Jahren wäre die Ehe für alle - egal welchen Geschlechts - undenkbar gewesen. Noch vor 25 Jahren hätten junge Lesben und Schwule ihren "Coming-out" weder feiern noch öffentlich leben können. Denn damals war Homosexualität ein Verbrechen - gemäß § 175 des Reichsgesetzbuches von 1871.

Besonders schwule Männer konnten für ihre Liebe zueinander und ihre Sexualität mit Gefängnis bestraft werden. Ihr Alltag war bestimmt von Angst und Gewalt, Vorurteilen und Verfolgung. Und auch lesbische Frauen mussten sich verstecken.

Der sogenannte "Schwulenparagraph" wurde gnadenlos angewendet

  • Vor allem die Nazis nutzten den Paragraphen 175, erstellten sogenannte "Rosa Listen" und ermordeten etwa 15.000 Homosexuelle in den Konzentrationslagern.

  • Doch auch nach dem 2. Weltkrieg galt der §175 noch lange unverändert weiter. Der 1935 verschärfte § 175 StGB blieb in der Bundesrepublik in der unveränderten Nazi-Fassung in Kraft.

  • Demnach war nicht nur der sogenannte "Beischlaf" (wie zur Kaiserzeit) sondern schon das "homosexuelle Verhalten" (Küsse, Blicke oder auch der bloße Verdacht) zu ahnden. 
Homsexualität galt somit auch nach 1949 als "unsittlich" und "kriminell" - und wurde von den Strafbehörden gnadenlos verfolgt. Das Strafmaß: "Zuchthaus bis zu zehn Jahren, bei mildernen Umständen "Gefängnis nicht unter drei Monaten". Noch in den 1950er und 60er Jahren wurden in der Bundesrepublik rund 50 bis 70.000 Menschen aufgrund des diskriminierenden Gesetzes verurteilt.

Und auch die DDR hatte Homosexualität unter Erwachsenen bis 1968 nicht vollständig entkriminalisiert: bis 1989 galten dort ähnlich wie in der Bundesrepublik unterschiedliche strafrechtliche Schutzaltersgrenzen für Homo- und Heterosexualität.

Der 10. März 1994 - ein wichtiges Datum für sexuelle Selbstbestimmung

Die Rechte von Homosexuellen wurden – ab Ende der 60er Jahre – zu einem Gradmesser für die kulturelle Liberalisierung der Gesellschaft und die sexuelle Selbstbestimmung aller. Doch erst 1969 wurde der "175er" liberalisiert und seine endgültige Abschaffung beschloss der Deutsche Bundestag erst am 10. März 1994.

Die Reform trat am 11.Juni 1994 in Kraft und machte damit gesetzlich langsam den Weg frei für eingetragene Lebenspartnerschaften, das Adoptionsrechte, Entschädigungszahlungen und zuletzt auch für die Ehe für alle (beschlossen im Oktober 2017). Wichtige Rechte, die sich eine eine offen bekennenden Schwulen- und Lesbenbewegung" 
mit viel Mut und Selbstbewusstsein jahrzehntelang erstritten hat – politisch und kulturell.

Erst 2017 konnte die Aufhebung der meisten nach 1945 erfolgten "Verurteilungen wegen einvernehmlicher homosexueller Handlungen" erkämpft werden. 

Hörenswert. Lesenswert. Sehenswert.

Erstaunlich wenig öffentliche Würdigung erfährt der 25. Jahrestag der Abschaffung des § 175 bisher in der Online-Welt. Wer aktuell bei Google in der Rubrik News danach fahndet, stößt nur auf wenige Einträge. Immerhin: der Tagesschau sowie der Kultsendung "Zeitzeichen" im WDR-Radio waren der 10. März und die Geschichte des "175er" eine ausführlichere Berichterstattung wert. Schaut mal rein!


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