BR-Ausbildungsreihe gestartet

... und jetzt mal alle ab in die Mitte!

26.08.2014 | ... hieß es zum Auftakt der Seminarwoche in Sprockhövel für über zwanzig frisch gewählte Betriebsräte bei SIEMENS. Aufgerufen wurde so zur Vorstellungsrunde zum Start einer eigens auf den Konzern ausgerichtete Schulungsreihe. Im Fokus: die Qualifizierung neu und erstmals gewählten Kolleginnen und Kollegen aus SIEMENS-Standorten in ganz NRW. Die Tische und Stühle wurden am Morgen erst einmal beiseite geschoben, um sich aufrecht, direkt und ganz ohne Hürden zu begegnen und kennenzulernen.
 
Sichtbar wurde dabei schon zu Beginn der Seminarwoche, die breit aufgestellte Produkt- und Dienstleistungspalette an den verschiedenen SIEMENS-Standorten. Aber vor allem, die ganze Vielfalt der Temperamente und Talente neu gewählter BR-Kolleginnen: Gewerbliche und Angestellte, Junge und Ältere, Frauen wie Männer, bereits „vorgewärmte“ JAVIs sowie Vertrauensleute und mutige Erstlinge. Sie alle wagten den Sprung ins „Kaltwasserbecken“ gesetzlich verbriefter Mitbestimmung und wollen sich nun fit machen für künftige Aufgaben und engagierte Interessenvertretung im Betrieb.



Engagiert für Gute (BR-)Arbeit bei SIEMENS

Die anspruchsvolle Qualifizierungsreihe besteht aus vier Modulen – jeweils eine Woche – verteilt auf ein ganzes Jahr: Dabei soll unverzichtbare Grundlagenbildung für Betriebsräte auf aktuellsten Stand der Rechtsprechung vermittelt werden. Und zwar passgenau zugeschnitten auf die konzernspezifischen Strukturen und besondere SIEMENS-Themen. Zielsetzung: Klarheit und Kompetenz für selbstbewusste Betriebsrätinnen und Betriebsräte bei SIEMENS in NRW. Erwünschter und wichtiger Nebeneffekt: eine standortübergreifende Vernetzung auch und gerade der neu gewählten Kolleginnen und Kollegen.

BILDUNG IN KOOPERATION:
DIESMAL MIT DEM SIEMENS-TEAM NRW


Erprobte Inhalte und Methoden der bewährten Reihe "BRcompact" wurden dazu eigens – und in enger Zusammenarbeit mit dem SIEMENS-Team der IG Metall – zugespitzt auf betriebseigene Fragen, Besonderheiten und Strukturen. Dazu Björn Neerfeld, zuständiger Projektsekretär im SIEMENS-Team NRW: „Wir wünschen uns ein systematisches und handlungsorientiertes Lernen auf Augenhöhe. Denn in einem Großkonzern wie Siemens stellen sich an den verschiedensten Standorten und in diversen Sparten sehr viele gemeinsame, aber eben auch völlig unterschiedliche Aufgaben und Herausforderungen. Schon mit unseren Grundlagenseminaren wollen wir deshalb eine standortübergreifende Zusammenarbeit befördern und allgemein nötiges BR-Wissen möglichst nah an der tatsächlichen Wirklichkeit im Gesamtkonzern sowie den einzelnen Betrieben ausrichten“.

Diese Siemens-Wirklichkeit ist in den letzten Jahren heftig in Bewegung geraten. Dazu eine Teilnehmerin: „Auch und gerade bei einem Traditionskonzern wie Siemens gibt es schon lange nicht mehr die Unterscheidung in sichere und unsichere Arbeitsplätze. Auf einmal macht es nämlich PENG!  Und schon bist Du mittendrin in der Schusslinie!". Das gilt mit Blick auf die großen Themen – Arbeitsplatzabbau, Standortverlagerungen, Zusammenlegungen und Umstrukturierungen. Aber natürlich auch in Bezug auf das „ABC“ ganz normaler Betriebsrats-Praxis: von „A“ wie Arbeitszeitregelungen über „E“ wie Entgeltfragen bis hin zu „V“ wie Vereinbarkeit (z. B. von Beruf und Familie) oder  „Z“ – wie Zukunft und Innovation. Insbesondere dem Letzteren hat sich dabei das SIEMENS-Team der IG Metall unter dem Motto „Mensch vor Marge“ verschrieben.

Mensch vor Marge  –
Ein erfolgversprechendes Projekt

Statt wie das Management eine einseitige margenorientierte Portfoliopolitik voranzutreiben, die auf kurzfristig erhöhte Gewinne abzielt, wird eine nachhaltige Entwicklung des Unternehmens gefordert. Hierfür steht das von der Arbeitnehmerseite bei Siemens entwickelte Alternativkonzept "Siemens 2020", das sich mit dem Slogan "Mensch vor Marge" auf den Punkt bringen lässt. Der strategisch ausgerichtete Anspruch: Erhalt industrieller Wertschöpfung am Industriestandort Deutschland durch zukunftsträchtige Produktinnovationen und eine entsprechend zeitgemäße Unternehmenskultur.

Über das Projekt sowie Aufbau und Funktionsweise des SIEMENS-Teams berichtete ausführlich Konrad Jablonski, zuständiges Mitglied der IG Metall Bezirksleitung NRW. Sein Credo: „ Wir haben mittlerweile außerordentlich qualifizierte Betriebsräte. Da steckt echte Kompetenz, die selbst der Unternehmensseite nicht verborgen bleibt. Wer heute als Betriebsleiter klug ist, steht im echten Dialog mit unseren Leuten. Eine starke IG Metall und unsere Betriebsräte bei Siemens haben praktisch bewiesen, dass sie gut und standortübergreifend vernetzt sind, quer denken und dadurch auch nach vorne“. Ein tolles und motivierendes Vorbild für den Standorterhalt durch innovative Betriebsratsarbeit ist dabei das Beispiel Leipzig, übrigens nominiert für den Deutschen Betriebsrätepreis 2014.

Vom „Zauber des Anfangs“ –
Wir wollen nicht nur kritisieren, wir wollen mitentscheiden und gestalten


Im Grundlagenseminar ging es zum Einstieg – und das zurecht – erst einmal um die ganz persönlichen Motivationen der Teilnehmenden bei ihrer Kandidatur zur diesjährigen Betriebsratswahl. Erkenntnis einer belebten, gemeinsamen Debatte am ersten Tag: wirkliche Mitbestimmung und erfolgreiche Interessensvertretung als Betriebsrat setzt - neben viel Wissen, Informationsvorsprung und vielfältigem Know-How – vor allem drei Dinge voraus:

  • Klarheit über die eigene Motivationen und die neue Rolle als gewählter BR (gegenüber den KollegInnen sowie Führungskräften und Unternehmen)

  • im Einklang sein und bleiben (!) mit dem eigenen Selbstverständnis und

  • einen realistischen und regelmäßig reflektierten Umgang mit (eigenen) Erwartungen, Wünschen und Ressourcen

Wir wünschen allen Teilnehmenden eine gute, anregende und Kraft spendende Zeit in Sprockhövel, sowie Freude und Erfolg bei ihrer künftigen Arbeit als frisch gewählte Betriebsräte.


Aktuelles

Kampagnen

  •