NRW Beschäftigtentagung in Willingen

IG Metall 2017 - "Klare Kante! Offene Türen!"

23.01.2017 | Mit der Beschäftigtentagung, diesmal im schneereichen Willingen, starteten die Hauptamtlichen der IG Metall in NRW gemeinsam ins neue Jahr. Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einem ersten Jahresausblick durch Bezirksleiter Knut Giesler. Ein wichtiger Input: Das Refrat von Prof. Dr. Thomas Laif zur Aufstellung und Einschätzung der afd und die anschließende Podiumsdiskussion. Inspirierend & facettenreich: Diskussionen beim Markt der Möglichkeiten und in den Workshops am Nachmittag. Aufmunternd: ein gelungener Abend - nicht zuletzt dank dem Überraschungsgast "Angela Merkel". Hier mehr zu einigen inhaltlichen Highlights.

  • Nachhaltig Regional Wachsen will die IG Metall NRW mit GEP - dem Gemeinschaftlichen Erschließungprojekt. Das auf neun Jahre angelegte Projekt des Bezirks ist in 2016 mit einem personell gut ausgestatteten Team gestartet und hat bereits 500 Mitglieder für die IGM gewinnen können. Ihr Motto: Gekommen um zu bleiben! Das Ziel: an den Schnittstellen zwischen Bezirk, regionalen Geschäftstellen sowie Betrieben und Universitäten will man auf innovative Weise Neuland erschließen, Mitglieder gewinnen, Strukturen aufbauen und verselbstständigen. Hier heisst es nun für alle, den Start nicht zu verpennen und zu kooperieren! Unterfüttert wurde dieser Auftrag von Bezirksleiter Knut Giesler mit Zahlen zur Mitgliederentwicklung in NRW und einem Ausblick auf die in 2017/2018 anstehenden gewerkschaftsplitischen Aufgaben.

  • Besonders wichtig: Erstens: Die derzeitige Beschäftigtenbefragung und neue Beteiligungsprojekte. Zweitens: Das Thema Arbeitszeit & Flexibilisierung; eine der größten Verteilungsfragen unserer Zeit. Drittens: Die IG Rolle der IG Metall als Innnovationsmotor (Stichworte Arbeit & Innovation, Arbeit 2020 und Industrie 4.0). Die Zukunft durch Bildung sowie die Vorbereitung anstehender Tarifrunden und der Betriebsratswahlen 2018. Bestimmt wird diese Agenda dabei wesentlich durch das gesellschaftliche Klima, den anhaltenden Erfolg des Rechtspopulismus sowie die Ergebnisse der diesjährigen Wahlen. Für NRW besonders entscheidend, der Termin der Landtagswahl am 14. Mai 2017 und die Bundestagswahl am 24. September.




  • Um eine "Parteianalyse (der afd) zwischen Verharmlosung und Dämonisierung" bemühte sich in seinem Impusreferat deshalb auch Prof. Dr, Thomas Leif. Seiner Meinung nach, ist mit weiteren Spaltungen der afd derzeit nicht mehr zu rechnen und "Aussitzen" eine falsche Strategie. Nach dem Einzug der in zehn Landtagen verfügt die afd mitttlerweile über drei feste, ideologische Strömungen, einen fuktionsfähigen Apparat und ein durch den anhaltenden Erfolgsschub gewachsenes Selbstbewusstsein. Sie fischt ihre Klientel in einem etwa 15 % umfassenden Wählerpotential von WählerInnen mit geschlossenen, rechtspopulistischen Weltbild, agiert dabei mit einem variablen Themen-Baukasten und bedient mit ihren medialen "Guerillatechniken" erfolgreich Echokammern im Netz sowie die Mechanismen des "Empörungsjournailismus" in Presse und Talkshows. Die afd-Wahl- und Rekrutierungsgserfolge der afd reichen dabei derweil - schmerzhaft tief - auch und gerade in die Klientel der Gewerkschaften hinein.

  • Alarmierend: Auch 25 % der Gewerkschaftsmitglieder wählten bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt afd! Allerdings interessant: 23 % der afd-Wähler geben laut Umfragen noch an, die afd nicht aus Überzeugung zu wählen sondern aus Protest. Problematisch: Und: Nur 10 % (!) der Wählerschaft insgesamt können noch einen Unterschiede zwischen den im Parlament vertretenen Parteien erkennen. Hier heißt es wach werden und offensiv in den Dialg treten! Das Fazit von Thomas Laif: Mit moralischer Empörung (Schande!) oder frei nach dem "Kauder-Prinzip" ist dem Rechtspopulismus nicht mehr beizukommen. Die Demokratie als Lebensform ist gefährdet. Verrohung, Hass und Gewalt verschieben gerade das gesellschaftliche Koordinatensystem klar nach rechts. Gefragt: eine offensive und alltagsnahe Auseinandersetzung als Zivilgesellschaft - und gerade der Kirchen und Gewerkschaften - mit den Positionen der afd. Notwendig ist es dabei den Politik-Prozess verstärkt auf das Thema soziale Gerechtigkeit zu focussieren. Klar werden muss, "die wollen nichts für Euch tun!"

  • Laut Hans-Jürgen Urban, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall bedeutet das: "Klare Kante! Offene Türen! Klare Kante meint die, die Ängste, Rassismus und Nationalismus schüren. Offene Türen:  Für all jene, die berechtigte (soziale) Ängste haben!" Das Plädoyer für "Demokratie, soziale Gerechtigkeit und Solidarität" und der Kampf um Haltungen, Werte und Positionen sind dabei allerdings eine echte Herausforderung: Es gilt eindeutig Position zu beziehen, die eigene Glaubwürdigkeit (!) zu beweisen, die Auseinandersetzung zu suchen, dran zu bleiben und die richtige Sprache zu sprechen. Dazu Urban:" Ratio allein reicht da nicht. Wir müssen das solidarische Alternativmodell im Alltag lebendig und erfahrbar machen" und aufdecken, wie die Rechtspolulisten - hierzulande, in Europa und weltweit - falsche Versprechen machen.In der Podiumsdiskussion, an der neben Thomas Laif und Urban auch Nihat Öztürk, 1. Bevollmächtigter der IG Metall in Düsseldorf und Björn Allmendinger, HVHS Huestedt e.V. teilnahmen, wurde - nicht zuletzt durch die nachdenklichen Statements aus dem Plenum - sehr deutlich, wie wichtig es für die IG Metall ist, hier klar Stellung zu beziehen, die eigenen Aktiven argumentativ zu rüsten und vor Ort nicht allein zu lassen.

Auf dem "Markt der Möglichkeiten", in den Workshops, vielen Einzelgesprächen und mit dem gemeinsamen Fest am Abend wurde Willingen zu einem gelungenen "Aufwärmlager" für dieses in vielerlei Hinsicht entscheidende und weichenstellende Jahr. Gefragt: MetallerInnen, die sich einmischen und den Dialog suchen - mit Herz & Verstand.


Aktuelles

Kampagnen

  •