»Update Arbeitsschutz«

Eine gelungene Fachtagung zum Jahresende


19.12.2018 | Zum Jahresende 2018 trafen sich 130 Arbeitsschützer*innen und Arbeitsgestalter*innen zur „Fachtagung Arbeitsschutz" im Bildungszentrum Sprockhövel. Den Anfang machte Rechtsanwalt Dr. Thomas Wilrich mit dem Thema Verantwortung im Arbeitsschutz.

Zum Jahresende 2018 trafen sich 130 Arbeitsschützer*innen und Arbeitsgestalter*innen zur „Fachtagung Arbeitsschutz“ im Bildungszentrum Sprockhövel. Den Anfang machte Rechtsanwalt Dr. Thomas Wilrich mit dem Thema Verantwortung im Arbeitsschutz.

Sein Grundsatz:Jeder ist zu jederzeit für sein Tun verantwortlich – wobei zu unterscheiden ist zwischen der Verantwortung für das Tun und für das Lassen. Anhand zahlreicher Beispiele illustrierte er die Tragweite von Befugnissen und Verantwortung je nach Unternehmensstellung. Zahlreiche Fragen aus der Praxis führten in die erste Pause.

Kristina Thurau-Vetter


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Bilderstrecke: Impressionen (alle Bilder Thomas Range/gfp) – 29 Fotos

Anschließend referierte Prof. Dr. Ralf Pieper zu rechtlichen Aspekten der menschengerechten Gestaltung der Arbeit und der Mitbestimmung des Betriebsrates. Er stellte das Handeln von Beschäftigten in den Kontext der betrieblichen und gesellschaftlichen Veränderungen unter den Stichworten Flexibilisierung und Digitalisierung. Die Reichweite der Arbeitsschutzbestimmungen und Mitbestimmungsrechte wird seines Erachtens nach von individuellen Gesundheits-Apps, der Individualisierung von Gesundheitsverantwortung und betrieblichen Pseudo-Beteiligungen untergraben. Die rechtlichen Bestimmungen zu Bildschirmarbeit und mobiler Arbeit erfordern das aktive Gestalten durch den Betriebsrat.

Den Thementag Digitalisierung begann Dr. Carsten Ullrich vom Deutschen Zentrum für Künstliche Intelligenz am Montagnachmittag mit einem Überblick zur Definition und zur Entwicklung Künstlicher Intelligenz mit dem Focus, wie künstliche Intelligenz das Leben und Arbeiten verändern wird. Die anschließende Debatte drehte sich vor allem um gesellschaftspolitische und betriebliche Herausforderungen künstlicher Intelligenz (u. a. die Nutzung für militärische Zwecke sowie die Auswirkung auf die Beschäftigung). Als dringend notwendig wurden eine positive Regulation und Grenzsetzung der Möglichkeiten künstlicher Intelligenz erachtet.

Dr. Manuel Nicklich von der FAU Erlangen-Nürnberg entführte die Zuhörenden in die Welt„Agiler Methoden im Büro und ihrer Gestaltung".Dabei betrachtete er das „Empowerment" agiler Teams und das darin liegende Entlastungsversprechen kritisch. Er wies auf die Forschungserkenntnisse hin, dass es immer auf die Ausgestaltung der agilen Methoden ankommt, diese also nicht per se gut oder schlecht sind.André Kaufmann von der IGM Ludwigsburg mahnte in diesem Zusammenhang in der Debatte ausdrücklich die Definition und Ausgestaltung der Leistungsbedingungen durch Betriebsräte und IGM an, um die Anwendung agiler Methoden nicht betrieblich „nach hinten losgehen" zu lassen.

Am Dienstagmorgen begann Dr. Sascha Wischniewski von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Fachgruppe „Human Factors, Ergonomie" mit einem Vortrag zu Datenbrillen – Arbeitshilfen der Zukunft? Während robotische Systeme nach seiner Meinung eher evolutionär die bisherige technische Entwicklung fortsetzen, stellte er kognitive Assistenzsysteme, die selbstlernend sind, als revolutionär dar. Deren Nutzung beinhaltet Chancen wie z. B. Unterstützung bei Gesundheitsvorsorge sowie Unterstützung, die eigene Zeit besser zu nutzen, aber auch Risiken: sie dringen in die Privatsphäre ein, machen anfälliger für Sicherheitslücken und erhöhen die Abhängigkeit von Technologien, lassen direkten Personenkontakt seltener werden und verursachen Stress. Außerdem stellte er Erkenntnisse und Gestaltungshinweise zum Einsatz von Datenbrillen im Betrieb dar. Betriebsräte sollte sich seines Erachtens nach in die Ausgestaltung einbringen, um den Widerspruch zwischen kontextabhängiger Informationsbereitstellung versus persönlichem Datenschutz bestmöglich für die Beschäftigten aufzulösen.

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Bilderstrecke: Weitere Bilder (alle Bilder: Kristina Thurau-Vetter) – 12 Fotos


Dr. Detlef Gerst vom Ressort Zukunft der Arbeit beim Vorstand der IG Metall spannte abschließend den Bogen mit seinem Vortrag „Arbeit 4.0 menschengerecht gestalten – von kollaborierenden Robotern bis zur agilen Arbeit".Detlef Gerst wies auf die neue Form der Mensch Technik-Interaktion in der Arbeit 4.0 hin, in der Technologie als autonomer Akteur und Mit-Entscheider auftritt, während Technologie bislang ein Hilfsmittel für menschliche Entscheidungen war. In seinem Vortrag wies er auf die unterschiedlichen Gestaltungsanforderungen hin, die der Einsatz von Technologie mit sich bringt – vom Einsatz kollaborierender Roboter über Datenbrillen bis hin zur agilen Arbeit. Erstellte den Stellenwert verschiedener arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse heraus und sprach Empfehlungen an die anwesenden Betriebsräte aus, jeweils im eigenen Betrieb die Einführung von Technologien mit arbeitswissenschaftlicher Begleitforschung auszustatten. Eine zentrale Bedeutung kommt in der betrieblichen Praxis der Gefährdungsbeurteilung, insbesondere psychischer Belastungen, zu.

Eine rundum gelungene Veranstaltung zum Jahresende, die in die Zukunft blicken lies. Die nächste Fachtagung Arbeitsschutz und Arbeitsgestaltung findet am 19./20.12.2019 im BiZ Sprockhövel statt.

Kristina Thurau-Vetter

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