Wiedersehen in Curitiba

Internationales Projektmanagement geht in Praxisrunde


13.06.2019 | Das zweite Jahr des Internationalen Jugendaustausch- und Ausbildungsprojekts von IndustriALL Global Union, IG Metall und der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) fühlte sich für die Teilnehmenden wie eine echte Wiedervereinigung an.

Nachdem sie in 2018 ein gemeinsames Treffen in Argentinien hatten, fand diesmal ihre Austauschwoche in Curitiba, Brasilien statt. Persönliche Begegnungen in Echtzeit sind halt doch oft besser als 1.000 Likes!

Mit dabei: auch unser Kollege Kai Buchmann, als Bildungsreferent im Jugendschwerpunkt Sprockhövel beteiligt am zuständigen Projektteam der IG Metall. Hier sein Bericht, angelehnt an eine Veröffentlichung in English (Spanisch, Französisch und Russisch); erschienen bei IndustriALL:

Erfahrungsaustausch - Grundlage für gelingende Kooperation

Junge Gewerkschafter*innen aus Lateinamerika, der Karibik und Deutschland organisierten ihr zweites jährliches internationales Austauschtreffen. Sie diskutierten über gewerkschaftliche Aufbauarbeit, Organizing-Projekte, Trainings, Ausbildung und Jugendarbeit in den Gewerkschaften der beteiligten Länder.

  • Junge brasilianische Aktivisten, die in den vergangenen Monaten an der Koordination der Arbeit beteiligt waren, organisierten dazu eine Ausstellung ihrer zuvor vorbereiteten Unterrichtsmaterialien.

  • Sie begannen mit einer künstlerischen Performance und Musik über den Widerstand. Zu Beginn eines jeden Tages präsentierten die Gastgeber relevante Charaktere, die verschiedene Kämpfe illustrieren, die die Brasilianer erlebt haben: Der ehemalige Präsident Lula da Silva, Marielle, Dandara, Paulo Freire und Dorothy Stang.

  • Sie stellten die Geschichte der Gewerkschaftsbewegung in Brasilien, die Struktur der Gewerkschaftsorganisationen sowie die Situation der Tarifverhandlungen und Arbeitsverträge vor.
Ziel des ambitionierten dreijährigen Projekts ist es, dass die Teilnehmenden am Ende die Arbeits-, Politik- und Gewerkschaftsstruktur in jedem Land vergleichen können und dabei lernen, sich im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit besser zu verständigen:
  • Hauptredner waren neben jungen Gewerkschafter*innen aus Brasilien, auch junge Wissenschaftler*innen und Expert*innen aus den Bereichen Bildung, Gender, Kommunikation und Forschung. Der Donnerstagnachmittag war dann ganz der Debatte mit Vertretern*innen der brasilianischen sozialen Bewegungen gewidmet. 

Praktische Solidarität - eine Aktion vor Ort

Einer der spannesten Momente der Woche war eindeutig der Besuch des #LulaLivre Mahn-Lagers, das sich nur wenige Meter neben dem Gefängnis befindet, in dem der ehemalige Präsident Brasiliens, Lula, zu Unrecht festgehalten wird. Die jungen Leute marschierten gemeinsam zu dem Mahnlager, um ihre internationale Solidarität zu bekunden. An seinem 417. Tag der Inhaftierung riefen die Teilnehmer ihren "Guten Nachmittag " in drei Sprachen (Portugiesisch, Spanisch und Deutsch) und schrieben einen Brief, der später persönlich übergeben werden soll.

Konkrete Perspektiven - Projektideen für 2020

Nach einer Woche mit zahlreichen Gespräche und Debatten, stellte am letzten Tag des Aufenthalts jeder Teilnehmende seinen gewerkschaftlichen Aktionsplan bzw. ein Projekt vor, das bis zu dem nächsten Treffen 2020 in Deutschland umgesetzt werden soll. Ziel dieser Pläne ist es, die Jugendarbeit mit und in den einzenen Gewerkschaften zu stärken und gemeinsam auf Herausforderungen zu reagieren, vor denen junge Menschen in ihren Ländern stehen. Die Teilnehmenden präsentierten dazu ihre entwickelten Ideen und Erfahrungen:

  • Schulungen zur Organisation junger Arbeitnehmer*innen, internationale Austauschprogramme für junge Menschen aus Deutschland und Argentinien, Workshops zu Themen wie Sucht, Rechte für Schwangere und Kongresse für junge Frauen. Kommunikationsprojekte und Kampagnen gegen Gewalt am Arbeitsplatz, Forschungs-und Bewertungsprojekte über junge Menschen in Brasilien, eigens konzipierte Sportveranstaltungen, um junge Kolleg*innen mit ihrer Gewerkschaft in Kontakt zu bringen sowie zeitgemäße Strategien zur Bildung von Jugendausschüssen in den Gewerkschaften.

"Dieses Austausch-und Ausbildungsprogramm befähigt junge Menschen, ihre Gewerkschaften zu erneuern und zu stärken. Wir konzentrieren uns dabei auf gewerkschaftliche Praxis und konkretes Handeln. Dass sich alle dieser Herausforderung stellen, ist wirklich inspirierend," so Sarah Flores, IndustriALL Jugend-und Projektleiterin.

  • Inspirierend ist nicht nur der Elan der jungen Gewerkschafter*innen. Bemerkenswert sind auch ihre Projekt-Ergebnisse und die nachhaltig wirkende Vernetzung zwischen den Teilnehmenden.

  • Gerne verweisen dazu Interessierte auch nochmals auf die spannende Abschlusspräsentation 2017: Hier die wirklich anschaulichen Berichte in >>Deutsch, >>Espagnol und >>Portuges.

Man darf also gespannt sein auf 2020! Vom 8. bis 12. Juni 2020 findet dann – übrigens wieder im Bildungszentrum Sprockhövel – die Abschlusspräsentation des laufenden Lehrgangs statt.

Wir freuen uns sehr darauf – und wünschen allen Beteiligten weiterhin gute Erfahrungen und eine erfolgreiche Zusammenarbeit!

Weitere Infos zum Projekt:
* BiZ Sprockhövel: kai.buchmann@igmetall.de
* BiZ Lohr / Bad-Orb: Jens.Beckmann@igmetall.de
* IGM Vorstand: Angelica.Jimenez-Romo@igmetall.de


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