Work Hard. Play Hard.

Film und Regisseurin zu Gast im BIZ

26.04.2013 | Die Süddeutsche Zeitung schrieb: “Zum Fürchten ist die neue Arbeitswelt, die Carmen Losmann in ihrem Dokumentarfilm Work Hard – Play Hard´ so kühl wie klug darlegt!“ Sie selbst ist keineswegs zum Fürchten, sondern hellwach, fix und neugierig ...
 
Gute Arbeit im Büro?
...die Teilnehmer/-innen des gleichlautenden Seminars hatten am Seminarabend jedenfalls Gelegenheit, ihren mehrfach preisgekrönten Dokumentarfilm zu sehen. Und: Mit der jungen Regisseurin selbst ins Gespräch zu kommen. Die muntere und aufgeschlossene Absolventin der Kölner Kunsthochschule für Medien hatte dabei sichtlich Freude, an der direkter Begegnung mit ihrem Publikum (und umgekehrt ;-).



Trotz des langen Seminartages und der späten Stunde nutzten die Kolleg/-innen die wunderbare Gelegenheit zur Diskussion mit der Macherin ausgiebig. Besonders interessierte es natürlich, aus direkter Quelle mehr über den Entstehungsprozess des Films zu erfahren sowie zur Bewertung der kritisch-genauen Doku – seitens der beschriebenen Firmen und Hauptakteure selbst.

Schonungsloser Blick der Kamera!
Carmen Losmann hat einen beachtenswerten Film über moderne Arbeitswelten gedreht. In dem 90-minütigen Film nimmt die Kamera dabei oft die „Position der Macht“ ein: Der Zuschauer nimmt so plötzlich selbst den prüfenden Blick aus der Perspektive des Managers auf das Team ein, die Sicht der Psychologin im Assessment-Center auf den Bewerber, des Trainers auf die angehenden Führungskräfte bei der Mutprobe im Klettergarten. Gezeigt wird dabei, „Streben nach Gewinnmaximierung und grenzenlosem Wachstum hat die Ressource Mensch entdeckt. Die Grenzen zwischen Arbeit und Lifestyle sollen verschwinden. Bei Auswahl, Motivation und Training der Mitarbeiter/-innen von Morgen wird nichts mehr dem Zufall überlassen.  Auf dem Programm steht Selbstoptimierung“.

Kitschige Kaffeetassen weichen Zeitgeist und Coolness
Die kühle Dokumentation mäandert durch moderne Office-Landschaften und führt uns ruhig und konzentriert, durch ihre gläserne Architektur sowie die (Seelen-) Welten einer post-industriellen „Arbeiterschaft“. In den Angestellten-Etagen der Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft und ihrer global agierenden „business-class“ ist die äußere Stechuhr verschwunden. Oder ist sie nur verinnerlicht, in die eigene DNA eingeschrieben worden? Eigene Potenziale und engagierter Teamgeist werden gebetsmühlenhaft beschworen. Aber echte Individualität und soziale Beziehungen scheinen in dieser Welt unmöglich. Familiäre Kuschelecken für Software-Spezialilisten, aber die Putzfrau bei der Arbeit bleibt darin unsichtbar.

Im Fokus: Wie funktioniert heute Entfremdung?
Der sezierende Film langweilt nicht, sondern baut Spannung auf, lässt frösteln und zieht den Zuschauenden mehr und mehr in Bann. Durch die Machart entsteht viel Zeit zum eigenen Nachdenken. Und die anfängliche Distanz lässt viele kleine Momente aufkommen, in denen man sich in dieser zuerst fremd anmutenden Glaspalast-Ästhetik plötzlich selbst entdeckt, wiedererkennt und an die eigene Arbeitsplatz- oder Bewerbungssituationen erinnert fühlt. So entdeckt man in fast klinisch anmutender Szenerie plötzlich erschreckend Vertrautes. Und: Das wir selbst aktiver Teil dieses Ganzen sind. Dazu Carmen Lossmann: „Ich wollte herausfinden, welche sozialtechnologischen Methoden und Rahmenbedingungen da wirken, so dass Menschen sich tatsächlich verhalten, wie das Unternehmen es will. Wie wir das Streben nach Produktivität und Profitabilität verinnerlichen. Und warum wir, trotz all unserer Klugheit und Erfahrung doch irgendwie alle, irgendwie mitmachen und funktionieren“.

Fazit:
Bei der nach Filmende durch Brigitte Kurzer, Bildungsreferentin und stellvertretende Schulleiterin, moderierten und sehr regen Debatte, zeigte sich: Lässt man sich drauf ein, dann trifft der Film – in Kopf und Herz!

  • Wir empfehlen deshalb den auch als DVD erhältlichen »Dokumentarfilm gerne weiter.
  • Wir freuen uns auf das gerade erscheinende Werkstatt-Buch zum Film und seiner Entstehung.
  • Und darauf, Carmen Lossmann mit diesem und nächsten Filmprojekten – wieder in Sprockhövel begrüßen zu dürfen.

Lange warten müssen wir nicht! Zusammen mit ihrem ebenfalls anwesenden Kollegen Daniel Göcht vom »„Club Dialektik“ in Köln recherchiert sie bereits für ihre nächste Doku.

Apropos Film-Freu(n)de: Besucher/-innen in Sprockhövel empfehlen wir in ihrer Freizeit einen Besuch der renommierten »Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen – Ein reichhaltiges Programm vom 02. bis 07. Mai 2013. Und das ganz in unserer Nähe.

MG


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