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Young Generation – Internationales Projektmanagement

10.08.2017 | 

Gewerkschaftliche Bildungsarbeit kennt viele Highlights! Doch so manche Tage sind auch für uns in Sprockhövel einfach echte "Sternstunden": ein Beispiel dafür, die Ergebnispräsentation zum Ende der Abschlusswoche des Projekts „Young Generation – Internationales Projektmanagement 2.0 (kurz IPM). Ein Feuerwerk anregender Ideen für transnationale Gewerkschaftsarbeit in Betrieb und Gesellschaft, umgesetzt von jungen Aktiven aus Deutschland und Lateinamerika. 

Organisiert wird der Ausbildungsgang im Rahmen einer Kooperation des weltweit agierenden Gewerkschaftsverbands IndustriAll, der Friedrich-Ebert-Stiftung sowie der IG Metall – natürlich in enger Abstimmung mit vielen engagierten „Playern" in ganz Lateinamerika und Europa.

  • Die beste Nachricht vorweg! Der dritte Ausbildungsgang zum „Internationalen Projektmanagement – Junge Generation" startet im Herbst 2018. Unser Bericht (lang aber lesenswert) und die prallen Bilderstrecken sollen - gerade Betrieben mit eigenen Standorten in Lateinamerika – Appetit auf diese lohnende Zusammenarbeit machen (hier auch in >Spanisch und >Portugiesisch).

Internationales Projektmanagement –
„Ansteckend. Gewinnend. Motivierend."

Vorfreude und Spannung im großen Saal! Eingerahmt von bunten Transparenten, randvollen Flipp-Charts und drei Dolmetscherkabinen (Spanisch, Portugiesisch, Deutsch) berichten junge Gewerkschafter*innen aus Kolumbien, Argentinien, Mexiko, der Dominikanischen Republik, Nicaragua, Uruguay, Chile, Peru, Brasilien und Deutschland über „ihr Projekt". Dazu Moderatorin Kati Köhler, Projektverantwortliche in Sprockhövel: „Alle Vorträge beantworten immer die gleichen fünf Schlüsselfragen: „Was waren unsere Ziele, Highlights, Hürden? Was haben wir konkret erreicht? Was sind unsere nächsten Schritte? Das strukturiert die Auswertung sowie die Diskussion."

Internationale Begegnung in Sprockhövel –
„handlungsorientiert, persönlich und direkt!"

Insgesamt wurden 30 betriebliche und gewerkschaftliche Initiativen vorgestellt: alle in den letzten zweieinhalb Jahren selbst entwickelt, geplant, begleitet und umgesetzt. Mit im Saal, das parallel im Hause stattfindende Grundlagenseminar „Global denken – lokal handeln!". Man ist sich im Lauf der Woche schon des Öfteren über den Weg gelaufen. Mit Headsets auf den Ohren (hier ein dickes Lob den Dolmetscher*innen) sitzen nun alle in einer gemeinsamen Runde zusammen. Für das JAV III Seminar sicher ein ganz besonders anschauliches „Live-Erlebnis".

Sehr aufmerksam verfolgt derweil auch Irene Schulz, Mitglied im geschäftsführenden Vorstand der IG Metall den Präsentationsmarathon: „Ich bin von der Beharrlichkeit und Leidenschaft, mit der ihr eure inhaltlich spannenden Projekte verfolgt, wirklich beeindruckt!"


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Bilderstrecke: Impressionen (Quelle: ThoRa / gfp)

„Gewerkschaften - weltweit das Stärkste,
was die Schwachen haben!"

Dieser Erkenntnis aus dem Publikum kann man mit Blick auf die Folgen der Globalisierung nur zustimmen. Die Wertschöpfungsketten der Unternehmen und das global vagabundierende Finanzkaptital machen eben nicht an den Betriebstoren oder Landesgrenzen halt. Die knallharte Konkurrenz spielt ganze Belegschaften und Kontinente gegeneinander aus, treibt Millionen ins soziale Abseits und die Armut – lokal, regional und international.

Wer diesem gnadenlosen Wettbewerb nicht länger folgen oder daran brechen will und –stattdessen– auf Solidarität, globale Gerechtigkeit, Fairness und Zusammenarbeit setzt muss Ziele, Werte und Strategien, Ideen, langen Atem Selbstbewusstsein und ein gutes soziales Netzwerk haben. Genau hier setzt der IPM-Ausbildungslehrgang an. Dazu Angélica Jimenez-Romo, IG Metall / FB Transnationale Gewerkschaftspolitik: „Der Aufbau internationaler, funktionierender gewerkschaftlicher Netzwerke ist sehr wichtig! Allerdings eine Arbeit, die langfristig auszurichten ist, da sie eine gewachsene Vertrauensbasis braucht und starke Protagonist*innen: Menschen, die sich kennen und besser kennenlernen wollen. Die miteinander, voneinander und füreinander lernen! Nur so entstehen belastungs- und aktionsfähige Unternehmensnetzwerke!" 

„Internationales Projektmanagement" –
Zukunft ist, was WIR draus machen!

Seit 2012 bietet deshalb die "gewerkschaftliche Bildungsarbeit" in Kooperation mit der Abteilung "transnationale Gewerkschaftspolitik" beim Vorstand der IG Metall einen interessanten Ausbildungsgang an, offen für jeweils zehn junge deutsche Metaller*innen:

  • Ein Ausbildungsgang dauert ca. zweieinhalb Jahre. Begleitend erhalten dabei alle eine fundierte Projektmanagement-Ausbildung, die auch spezielle politische, interkulturelle und sprachliche Kompetenzen stärkt.

  • Teilnehmende haben die Gelegenheit sich zusammen mit 25 jungen Kolleg*innen aus Südamerika zu treffen um eigene, betriebliche und gewerkschaftliche Projekt-Ideen zu entwickeln – und gemeinsam umzusetzen.

  • Dabei erfahren sie persönliche und professionelle Unterstützung durch das IPM-Koordinationsteam und erfahrene Mentor*Innen, darunter viele Kolleg*innen, die den Ausbildungsgang bereits selbst durchlaufen habe.

Junge Gewerkschafter werden mit dem Ausbildungsgang IPM in die Lage versetzt, mit ihren Kolleg*innen in den jeweiligen Standorten in Südamerika und Deutschland zu kommunizieren, gemeinsam Probleme und Krisen zu lösen, mehr übereinander zu erfahren. Wichtige Ziele:

  • Verbesserung unserer internationalen Zusammenarbeit
  • gezielte und nachhaltige Qualifizierung motivierter Akteure
  • Bildung transnationaler Unternehmens-Netzwerken

„Die im Rahmen von IPM entstehenden Projektideen sollen in enger Abstimmung mit den jeweiligen Organisationsstrukturen geplant und umgesetzt werden. Geübt und gestärkt wird so zugleich eine gelungene Einbindung junger Aktiver in ihre Arbeitszusammenhänge", betont Jens Beckmann, tätig für die deutsche IPM-Koordination seitens des IG Metall Bildunsgzentrums Lohr/Bad-Orb.

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Bilderstrecke: Impressionen 2 (Quelle: ThoRa / gfp)

Abschlusspräsentation 2017:
„Konkrete Beispiele, die Mut machen!"

Übrigens: schon die IPM-Abschlusswoche 2014 fand im Bildungszentrum Sprockhövel statt (dazu hier nochmals der damalige Bericht) – und ließ auf ein zukunftsträchtiges Projekt hoffen. Zurecht! Thiago, einer der brasilianischer Teilnehmenden weiß auch warum: „Es ist unglaublich mitzuerleben, welche persönliche Entwicklung wirklich jeder von uns in diesen beiden Projektjahren machen konnte!"

Wieviel die jungen Aktiven dabei zudem in Bewegung setzten, davon zeugen die lebendigen Präsentationen und der positive Elan aller Vortragenden. Hier in aller Kürze nur einige wenige Beispiele, die Euch schon einmal Lust auf den Projektbericht, detailliertere Publikationen oder die eigene Mitarbeit machen sollen:

  • Frischer Wind! Systematisch betrieben wird an vielen Stellen der gezielte Aufbau, autonomer Frauen- und Jugendstrukturen. Übrigens mit großartigen Resultaten auch bei der Mitgliedergewinnung.

  • Hot! JAVIS deutscher Automobilkonzerne verfolgen die Idee einer sogenannten „Ausbildungs-Charta". Das atemberaubende Ziel: die Durchsetzung weltweit (!) einheitlicher Standards und Bedingungen für eine gleichwertige und qualifizierte Berufsausbildung an allen Betriebsstandorten. Bei VW wurde die Charta sogar bereits beschlossen. Auch dank IPM bleiben wir dran, um das wirklich um- und durchzusetzen.

  • Brava! Initiiert wurden in Peru „heimliche" Kinonächte und Tanzveranstaltungen für Textilarbeiter*Innen: Ein "Organizing"-Projekt, das trotz schwierigster Bedingungen (16-Stundentage, Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft als Kündigungsgrund, nur monatlich gültige Arbeitsverträge) viel Zulauf fand.

  • Könnte Schule machen! Ein Antidiskriminierungstag bei Daimler unter dem Titel "Don´t judge me!" wendete sich gegen rassistische Anmache und sexistische Vorurteile, ob in der Montagehallen oder dem Büro.
     
  • Faire Arbeit? Unter dem Motto „Nicht Kleider machen Leute, sondern Leute machen Kleider!" klagen junge Aktive ein kritischeres Konsumverhalten ein – und zwar auch in den eigenen Reihen! Ihre Frage an deutsche Betriebsräte: "Wo kommen eigentlich unsere eigenen Arbeitsklamotten her?"

  • Beeindruckend: Weiterbildungsangebote und Bildungsplattformen, die Gewerkschaftshäuser mit wissbegierigen Kolleg*innen füllen und ihnen so berufliche Qualifikationen und mehr Zukunft eröffnen. 
    Und dies in Ländern / Regionen, die keine kostenlosen Bildungsinstitutionen bieten.

  • Nicht schlecht: Deutsche Metaller*Innen lernen von Uruguay, wie man auch ohne „Reisekostenerstattung" das Geld für einen Veranstaltungsbus zusammen bekommt – und dabei sogar neue Aktivist*innen gewinnt.

  • Mit allen Sinnen dabei: in den knappen Arbeitspausen und kurzen Nächten der diesmaligen Projektwoche entstand eine gemeinsam eingesungene Musik-Produktion. Professionell choregraphiert und abgemischt! Der kurze Einspieler im Rahmen des Präsentationstages lässt auf die angekündigte CD hoffen.

  • Spürbar im Saal: das Entstehen von Neugier und Sympathie im persönlichen Dialog: über Alltag und Leben, Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Herkunftsländer, Kulturen und Gewerkschaftstraditionen. Vorlieben und Interessen. Humor und Heiterkeit. Es menschelt; so entsteht Gewerkschaft – und Standortsolidarität.

  • Schön zu sehen: wie sich vorhandene Sprachbarrieren notfalls auch mit Händen und Füßen, a "little bit English", einem offenen Blick oder einem Lächeln überwinden lassen.

IPM – ein Projektnetzwerk mit Herz und Verstand

Und eine wunderbare Chance für alle Beteiligten! „Einzigartig an dieser Ausbildung ist", so Tom Kehrbaum, tätig im Funktionsbereich Gewerkschaftliche Bildung der IG Metall, „dass die Jugendlichen sehr früh eine transnationale gewerkschaftliche Identität entwickeln und die globale Dimension in ihrer gewerkschaftlichen Arbeit immer sichtbar ist. Die internationale Zusammenarbeit betrieblicher und gewerkschaftlicher Interessenvertretungen hat sich dadurch enorm verbessert!"

Viel Zustimmung und die Zusage für eine Fortsetzung der Kooperation gab es abschließend auch von Katja Meyer aus dem Referat Lateinamerika und Karibik der Friedrich-Ebert-Stiftung: „Was Ihr in den letzten Jahren, oft unter schwierigsten gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen und manchmal auch gegen  innergewerkschaftlichen Widerstand, mit Eurer Arbeit bewegt und angestoßen habt, ist bemerkenswert!" Kollege Morino, Projektkoordinator von industriALL lächelt still in sich hinein: „Wege entstehen indem man sie geht."

 

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Bilderstrecke: Impressionen 3 (Quelle: ThoRa / gfp)

Hier nochmals die gute Nachricht: Der dritte Ausbildungsgang zum „Internationalen Projektmanagement – Junge Generation" beginnt im Herbst 2018. Weitere Infos erhaltet ihr bei den vier Kolleg*Ìnnen des IPM-Koordinationsteams für Deutschland:

BILDUNG IN SPROCKHÖVEL. BILDUNG IN DER IG METALL.
Wir freuen uns darauf Euch bald wiederzusehen! 

magro

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