Digitalisierung & Arbeitswelt 4.0

"Wir wollen nicht die Getriebenen sein!"


23.08.2018 | 

Digitale Transformation - was heisst das eigentlich für Dich und mich? Meine Arbeit und die Zukunft IG Metall? Mit einer tollen Methode der Gruppenmoderation gelang eine spannende Abendveranstaltung: Keine einschläfernde Powerpoint zum Einstieg, kein Fachreferat und auch nicht der übliche abstrakte Schlagabtausch zwischen Befürworter*innen und Skeptiker*innen waren angesagt. Stattdessen standen sich im Saal zwei leere Stuhlreihen gegenüber auf denen die eintreffenden Leute auf beiden Seiten Platz nahmen. Allerdings nicht für sehr lange ...

Vorbereitet hatte Sok-Yong für seine Moderation ein paar sehr direkte Fragen, die viel Bewegung in das Thema, den Saal – aber vor allem in den eigenen Kopf brachten. Je nachdem, ob man selbst eher zu einem  „Nein“ oder einem  „Ja!“ bei den Fragen neigte, galt es im Raum die Seiten bzw. den Stuhl zu wechseln:

  • Nutzt Du selbst die digitale Medien eher viel oder wenig? Eher beruflich oder privat? Empfindest Du die Auswirkungen in Deiner Arbeit/Deinem Leben als Vorteil? 

  • Hast Du Angst um Deinen eigenen Arbeitsplatz? Wird das Thema in Eurem Betrieb angegangen oder verpennt? Spielt der Betriebsrat eine aktive Rolle? Bildest Du selbst Dich weiter?

  • Was sind Lösungen – eher kollektive Regelungen (Gesetze, Regeln, Tarifverträge) oder die individuelle Stärkung (Weiterbildung, Selbstermächtigung, Ziele und Werte)?

  • Findest Du, dass das Thema in der IG Metall richtig angepackt wird? Willt Du Dich selbst aus der Debatte lieber raushalten – oder die Entwicklungen aktiv mitgestalten?

Heraus kam eine Art  „Reise nach Jerusalem“ der etwas anderen Art: Die Stühle (zwischen die man bei diesem Thema schnell selbst geraten kann) wurden zwar nicht weniger; doch dafür wuchs die Bereitschaft sich gegenseitig an- und zuhören beträchtlich. Das Thema war überhaupt nicht mehr abstrakt und ganz weit weg, die Meinungs"bilder" standen mitten im Raum , die Mehrheiten wechselten ständig und scheinbare "Kontrahent*innen" saßen sich mal gegenüber – und plötzlich wieder Seite an Seite.

Technologischer Wandel  - brutal oder genial?
Auf jeden Fall digital!

Bei jeder „Sitzkonstellation“ hakte die Moderation gekonnt nach und entlockte den Beteiligten, sehr persönliche Statements, eigene Betriebsrfahrungen, Ängste und Wünsche. Ddas Spektrum reichte von purer Bgeisterung über neue Möglichkeiten (Arbeit / Kommunikation wird schneller, leichter, einfacher, ökologischer,  spontaner, interessanter) bis hin zu offener Ablehnung (Leistungsdruck, Arbeitsverdichtung, Macht- und Existenzverluste, Einsamkeit und Isolation, Überwachung und Kontrolle, Monopolisierung der Märkte). Auch vertreten in der Runde war die Haltung der bewussten Verweigerung: „Ich will nicht digitalisiert werden! Ich möchte nicht ‚ge-liked' sondern vermisst werden. Nicht wild kontakten müssen, sondern lieber in echtem Kontakt sein. Weiter mit der Hand schreiben - und das schön finden dürfen.“  

Wichtige Anregungen aus der Diskussion für die anstehenden Diskussionen in der IG Metall: 

  • Es ist eine gefährliche Verkürzung, dass der digitale Wandel hauptsächlich  durch die Debatte um Technologie bestimmt wird. Sie ist zwar wichtiger Treiber der Veränderung, aber – ob analog oder digital – entscheidend bleibt letztlich immer der Mensch mit seinen Wünschen und Werten, Hoffnungen und Ängsten, Bedürfnissen und Begrenztheiten sowie die Natur mit ihren nachhaltig zu bewirtschaftenden Ressourcen.
  • Ganze Belegschaften (und nicht wenige Betriebsratsgremien) fühlen sich in hinsichtlich der Zukunftsstrategien ihrer Unternehmen von Vorständen und Management zu oft im Dunklen gelassen, auf die anstehenden Entwicklungen wenig vorbereitet bzw. an Entscheidungen nicht beteiligt. Hier gilt es, vorhandene Ideen und Potenziale endlich zum Zuge kommen zu lassen und zugleich – auch in der IGM-internen Diskussion – die Ängste und psychische Auswirkungen viel stärker zu thematisieren. 

  • Wer mit Blick auf die anstehenden Umbrüche von Wirtschaft und Gesellschaft nicht zu den Getriebenen gehören möchte, sollte die anstehenden Prozesse digitaler Transformation aktiv gestalten wollen. Dazu brauchen wir gemeinsame Ziele, globale Strategien, Wissen und Werte, Mut zu Utopien, konkrete Lösungen und Antworten, Entscheidungsfreude und einen zeitgemäßen Arbeitsbegriff.
Fazit: An keinem Wirtschaftszweig und Betrieb, unserer Gesellschaft und (fast) keinem Menschen geht die digitale Transformation spurlos vorüber. Darin stecken "brutale" Risiken und "geniale" Chancen: auf neue Arbeitsplätze und Geschäftsfelder, Qualifizierungsmöglichkeiten für Beschäftigte, gute und faire Arbeit, Arbeitserleichterungen durch "smarte“ Techniklösungen“, mehr Zeitsouveränität, endlich ökologisch vertretbare Produkte und direkte Demokratie.

Merke: Die Sommerschule ist immer neugierig auf neue Themen. Wir sind gespannt auf den Transformationskongress der IG Metall am 30./31.10.2018.


Muss sich unsere Arbeitsgesellschaft neu erfinden?

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