"Erschreckend, wie wenig wir eigentlich wissen..."

Korea – Land zwischen Tradition und Moderne


23.08.2018 | In jeder Sommerschule steht auch die Auseinandersetzung mit einem anderen Land auf dem Programm. Das Besondere: es wird nicht nur theoretisiert sondern praktische interkuturelle Erfahrung ermöglicht und die direkte und persönliche Begegnung gepflegt. Eine Bildungsreise in die Ferne - und das im eigenen (Bergischen) Land.

Diesmal reisten wir nach gemeinsam nach Südkorea, angeführt durch ein tolles Trio, dass sich selbst über die Zusammenarbeit in der Sommerschule erst richtig kennenlernte und der Gruppe einen facettenreichen Einblick in die koreanische Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Geschichte, koreanische Musik und Tanz,  Sprache, Schrift und Kultur und zudem die eigenen hiesigen Migrationserfahrungen ermöglichte. 
  • Mohamed Mansour, ist ein deutsch-ägyptischer Wissenschaftler an der Uni Bochum-Essen, der sich mit der sozio-kulturellen, wirtschaftlichen, politischen und vor allem der rasanten technologisch-digitalen Entwicklung in ganz Ost-Asien befasst und der selbst dort lebte und lernte.

  • Seon-Hee Lee, ist eine koreanische, weit gereiste Kosmopolitin, eine gelernte Theater- und Musikwissenschaftlerin, arbeitete als Lehrerin in Korea, Südafrika, Neuseeland und nun an der koreanischen Schule in Bochum. Sie initiierte ein eigenes Entwicklungsprojekt in Malawi und legte - übrigens an drei Vormittagen während der Sommerschule – ihre Prüfung zur examinierten Krankenpflegerin ab. 

  • Han-Kyul Limb hat in Korea ein Soziologie-Studium abgeschlossen und kam nach Deutschland um die Sprache zu lernen und zu promovieren. Nun macht das seine Frau und er will eine Konditorlehre beginnen. Warum, das ist eine spannende aber andere Geschichte - auch mit Blick auf Umwege, Chancen und Hürden in einem heute ebenfalls globalisierten Ausbildungs- und Arbeitsmarkt.
"Was weiß man den eigentlich wirklich über Korea?"
Das Powerplay zwischen Kim Jong Un und Donald Trump beherrscht zwar immer wieder die Nachrichten, doch – zu Beginn des Workshops – zierten das Flipp-Chart der Gruppe nur wenige Stereotypen: "Korea-Krieg. Korea-Krise. Samsung Electronics, Kia Motors und Hyundai. "Viel mehr hatten wir alle nicht im Kopf – und selbst dazu konnten wir nicht einmal viel sagen!", so ein Teilnehmer des Workshops.

Die "Reisegruppe" wusste zu Beginn wenig – nun eigentlich nichts – über die Republik Korea (Hanguk, wie sich das Land in Abgrenzung zur eigenen Kolonialgeschichte selbst bezeichnet). Das änderte sich in wenigen Tagen – durch viel Input und Diskussion am Vormittag, sowie – auch und gerade - durch die durchaus körperlich herausfordernde Erfahrung im dazugehörigen Trommel- und Tanzkurs am Nachmittag. Ein echtes Kombi-Paket, denn teilnehmen musste man an beiden Teilen des Workshops.

"Was macht wann den technologischen Fortschritt wertvoll?"
Entdeckt wurden - mit Kopf und Bauch – eine reiche Geschichte, eine faszinierende Philosophie und die konkreten Bedingungen für den rapiden Wirtschaftsaufschwung, den Südkorea seit 1962 in nur zwei Generationen nahm. Die Debatte über die Vor- und Nachteile dieser rasanten Entwicklung – von einem zutiefst armen Agrarland hin zu einer der weltweit führenden Industrienationen – lieferte tiefe Einblicke in Alltag und Wirklichkeit des bis heute zweigeteilten Landes.

"Destillieren" ließen sich daraus verallgemeinerbare Indikatoren und Fragen, nach denen sich - eben hierzulande wie global – technologische Innovation und wirtschaftliches Wachstum erst wirklich als Fortschritt für die Mensch und Gesellschaft werten lassen. Schlüsselfragen: 
  • Digitalisierung - wer profitiert und wer verliert?
  • Was nützt hohe Bildung ohne adäquate Beschäftigung?
  • Was macht das schnellste Wi-Fi der Welt mit Koreas Werten?
  • Worin besteht individuelles und gemeinschaftliches Glück?
  • Was macht Mega-Cities anonym und hart – oder eben 'smart'?
  • Wie organisieren sich Kollektive erfolgreich? Was ist der Preis?
  • Welche Rolle spielen Familie und gemeinsame Lebensformen?
  • Was macht Konkurrenz und Wettbewerb erbarmungslos?
  • Warum ist Individualität und Privatsphäre wichtig? 
  • Warum ist dauerhafter Frieden ein eigenständiger Wert. Und:
"Warum geht einfach nichts ohne "Jing"?"
Letzteres lernten die Teilnehmenden beim Trommeln kennen. Jing, ist ein Begriff aus dem Taoismus und bezeichnet so etwas wie die eigene, kreative Energie und pure Lebensfreude. Das Jing "wohnt" im Körper, genauer in Unterbauch und Brustkorb, stärkt die inneren Abwehrkäfte, wirkt belebend und lässt - schaut Euch bitte die Fotos selbst und genauer an - vor allem das Herz und die Augen strahlen. Die anfänglich fremden Klänge der koreanischen Trommel mobilisiert jedenfalls eine Menge Jing. Sie wurden uns allen im Laufe der Tage vertrauter – und lockten am Ende alle Teilnehmenden tanzend auf die Wiese. Im Vordergrund standen plötzlich nicht mehr die vermeintlichen Unterschiede sondern das Gemeinsame: Was ist ganz anders - und dennoch gleich?

Merke: Die Sommerschule sucht interkulturelle Begegnung auf Augenhöhe - in einem Dreiklang aus Wissensaustausch, kulturellem Erleben und persönlich direkter Begegnung.


Die IG Metall fordert das Recht auf mehr "Jing" für alle!

Vorschau

Bilderstrecke: Fotos: Range/gfp – 37 Fotos



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