Das CityLeaksFestival

Urban Art - Spaß am Widerstand

CityLeaks will nicht nur ein Festival über, sondern auch für die Stadt und ihre BürgerInnen sein. MIt einem höchst vielseitigen Programm an künstlerischen Interventionen, Ausstellungen und zahlreichen weiteren Events ist CityLeaks 2013 größer, bunter, internationaler und interaktiver denn je! Und der Fassadenwettbewerb "Urban Art meets Union" für das IG Metall Bildungszentrum sowie die Ausstellung der Entwürfe ist - dank der Zusammenarbeit mit der IG Metall Köln-Leverkusen - ein Teil davon! Wir freuen uns auf die Begegnung von Urban Art und Gewerkschaft, Menschen und Meinungen, Festivalpublikum und MetallerInnen.



Aber was ist Urban Art eigentlich?
Urban Art hat sich in den letzten Jahren als ein keineswegs unproblematischer Dachbegriff für die unterschiedlichsten Tendenzen einer Kunst etabliert, die sich im öffentlichen Stadtraum bewegt. Mit Politik und Gewerkschaft hat das mehr zu tun, als so mancher auf den ersten Blick denkt. Wer genau hinschaut, entdeckt nicht nur im eigenen Stadtteil so manches Stück "Streetart", die einfach nur gefällt, als poetisches Moment persönlich berührt, aufrüttelt – oder auch  ärgert und provoziert.

Das was als Jugendprotest begann, als "Vandalismus" kriminialisiert wurde/wird, hat dabei mittlerweile viele neue Blüten getrieben. Urban Art anvancierte als "Genre" im offiziellen Kunstbetrieb und wird von der Werbewelt kopiert (angesagt sind gerade "Holy-Colour-Aktionen"). Urban Artists prägen aber auch - lokal und international gut vernetzt - eine neue und facettenreiche Protestkultur. Da wo auch in der IG Metall die "Alten" gerne noch vom Schablonenbau fürs gute, noch selbst gemalte Polittransparent schwärmen, entstand mit der globalen Mediengesellschaft eine junge, vernetzte Szene und eine breite Palette künstlerisch-kollektiver Ausdrucksformen im öffentlichen Raum:

  • Junge Mädchen organisieren weltweit "öffentliche Tanzmobs" gegen Vergewaltigung und sexistische Gewalt
  • Moderne Derwische und der "stehende Mann" irritieren türkische Polizisten auf dem Tamirplatz in Istanbul
  • In Kairos Straßen beweinen Graffits die Toten des arabischen Frühlings auf den Häuserwänden
  • Der berühmte "Banksy" sprüht auf die Mauer, die Pälästineser und Israelis trennen soll, ein kleines Mädchen, das mit seinen Ballons in der Hand scheinbar gleich über die Mauer fliegt...
  • Junge IG Metaller setzen in der Sommerschule 2013 der guten Justizia eine Videokamera auf die Schultern (Thema NSA und Überwachung) und weihen den neuen Sportplatz mit einer bunten "Holy Colour-Aktion" ein.

Spaß am Widerstand? Geht das?

Die Antwort ist: JA! Das Cologne CityLeaks Festival begreift sich auch als Laboratorium und Forum für diese Vielfalt.  Zitieren wir einfach Georg Barringhaus, den Kurator unseres Wettbewerbs sowie des Cologne CityLeaks Urban Art Festivals, aus dem Vorwort des dicken, aber lesenswerten und liebevoll gemachten Festivalkatalogs: "In den Straßen Kölns treffen sich bildende, darstellende und angewandte Kunst, um den öffentlichen Raum mit Bewegung, Farbe, Licht, Installation und Schrift zu fluten. Urbane Intervention heißt, die Kunst sprechen zu lassen und ihr die Bedeutungshoheit über gesellschaftlich relevante Themen zuzusprechen. Ebenso eröffnet sie die Möglichkeit, das politische, soziale und ästhetische Bewusstsein der AnwohnerInnen und BesucherInnen zu beeinflussen. Mit dem Ziel, den größtmöglichsten Grad an Inspiration und Provokation zu erreichen, wird den geladenen KünstlerInnen Freiraum bei der Gestaltung ihrer Arbeiten gewährt... 

Besondere Aufmerksamkeit widmet das CityLeaks Festival 2013 der politischen Kunst. Ein breit aufgestelltes Vermittlungsprogramm, wie insbesondere die einwöchige Urban Hacking Academy, werden dem Thema besondere Beachtung schenken und das politische Mobilisierungspotential der Urban Art sowohl theoretisch beleuchten als auch praktisch austesten. Neben renommierten KünstlerInnen aus der Urban Art Szene liegt mir die Präsentation von NachwuchskünstlerInnen, die diese junge Kunstströmung mit rasanter Geschwindigkeit hervorbringt, sowie die Einbindung lokaler KünstlerInnen, GaleristInnen besonders am Herzen".

Was genau also ist "Urban Art"? Sascha Klein benennt - zitiert nach dem Vorwort des CityLeaks-Programmhefts - drei Charakteristika:

Erstens: Öffentliche Kunst ist politische Kunst

Urban Art ist im Stadtraum zu Hause, kommuniziert in diesen hinein und wird damit zu einer öffentlichen Angelegenheit. Genau daraus erwächst ihre politische Dimension. Urban Art ist von daher - auch wenn sie auf konkrete politische Inhalte verzichtet - immer politisch. Wo auch immer sie auftritt, wird öffentlicher Raum zum Forum subversiver Diskurse, die in Konkurrenz zu Wahlplakaten und Werbung treten. Nicht umsonst heißt es, dass die Revolution auf der Straße anfängt, lange bevor, die Massen sie stürmen! Auch das CityLeaks Urban Art Festival sucht die kritische Konfrontation mit dem öffentlichen Stadtraum und interveniert künstlerisch in diesem. Das Festival begreift künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum als Möglichkeit, diesen für das Gemeinwesen zurückzugewinnen. Solche kreativen Aneignungen zielen letztlich darauf ab, neue Freiräume für gemeinschaftlichen Ideenaustausch zu schaffen und damit gleichzeitig einer kommerziellen Vereinnahmung des urbanen Raumes entgegenzuwirken.Mit der bewussten Intervention im öffentlichen Stadtraum wird die offene Konfrontation zwischen Kunstwerken und einem größtmöglichen Publikum provoziert...

Zweitens: Transparente Prozesse

Urban Art ist immer mittendrin im Geschehen! Im Rahmen seiner vielen öffentlich zugänglichen Outdoor-Produktionen und Aktionen lenkt das CityLeaks Festival den Blick auf ein künstlerisches Genre von höchster Vergänglichkeit. Außerhalb geschützter Museums- und Galerieräume sind urbane Kunstwerke steten Veränderungs- und Verfallsprozessen ausgesetzt. Aus den unterschiedlichsten Gründen werden sie übermalt, überklebt, kommentiert, abgerissen oder fallen ganz einfach natürlicher Abnutzung zum Opfer.
In vielfacher Hinsicht haben die FestivalbesucherInnen und AnwohnerInnen die Möglichkeit, die kreativen Produktionsprozesse nicht nur zu verfolgen, sondern auch aktiv mitzugestalten. Viele dieser kreativen Schaffensprozesse werden in einem eigens dafür eingerichteten Prozessraum innerhalb der CityLeaks Indoor-Ausstellung CityLeaks 2013 (Marienstraße) nachzuverfolgen sein.

Drittens: Nomadische Fluchtlinien

Urbane KünstlerInnen operieren als NomadInnen in ihrer steten Bewegung durch den Stadtraum - immer auf der Suche nach Inspiration, Fluchtlinien und den geeigneten Orten für kreative Invention. Aber auch in ihrer beständigen Wanderschaft zwischen Städten, Ländern oder gar Kontinenten werden sie zu VermittlerInnen der besonderen Art: Einerseits bringen sie ihre je eigene künstlerische Handschrift in ein neues urbanes Umfeld ein. Andererseits müssen sie sich jedes Mal neu auf die jeweiligen kulturellen und räumlichen Besonderheiten ihrer wechselnden Stationen einlassen. Mit dem Ziel, diesen künstlerischen Nomadismus zu erleichtern, arbeitet CityLeaks mit Urban Art Festivals in ganz Europa zusammen.

Glück auf: Wir freuen uns auf das Festival als  "Schule" des Sehens:
Das breite Führungsangebot (siehe "Guided Tours" im Programmheft und unsere eigene IGM-Tour am 17.09. ab DGB-Haus, Köln) hat sich ebenfalls dem Nomadentum verschrieben. Im Rahmen der Stadt-Führungen von CityLeaks werden die TeilnehmerInnen ihr vertrautes urbanes Umfeld in neuartiger Weise wahrnehmen...